Lane: Globale Energieschocks schaden Wirtschaft stärker
EZB-Direktor Philip R. Lane beleuchtet die Auswirkungen von Energiepreisschocks auf die Wirtschaft. Er präsentiert Analysen zu globalen und regionalen Schocks sowie deren Implikationen für die Geldpolitik.
Ölpreisschocks: BIP und Investitionen leiden
EZB-Ökonomen haben ein bayesianisches Vektor-Autoregressions-Modell (VAR) eingesetzt, um die Auswirkungen von Ölpreisschocks auf die Eurozone zu quantifizieren.
Ein geopolitischer Schock, der den realen Ölpreis um 10 Prozent erhöht, senkt das reale BIP-Wachstum der Eurozone in den ersten drei Jahren um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte pro Jahr.
Sowohl der private Konsum als auch die Investitionen gehen zurück, wobei Investitionen aufgrund erhöhter Unsicherheit stärker betroffen sind.
Die Analyse, die Daten von 1985 bis 2023 umfasst, zeigt, dass die Auswirkungen im Laufe der Zeit, insbesondere auf den privaten Konsum, aufgrund der sinkenden Ölintensität der Wirtschaft etwas nachgelassen haben könnten.
Die Quelle einer Ölpreisbewegung ist entscheidend: Ein angebotsgetriebener Anstieg belastet ölimportierende Volkswirtschaften durch höhere Produktionskosten, geringere reale Haushaltseinkommen und schwächere globale Nachfrage.
Globale Schocks wirken härter
Mithilfe eines Multi-Länder- und Multi-Sektor-DSGE-Modells verglich die EZB die Auswirkungen globaler und regionaler Energieschocks.
Ein globaler Schock, der die Energiepreise in der EU um 10 Prozent erhöht, verschlechtert die Terms of Trade stärker als ein regionaler Schock, da er nicht nur importierte Energie, sondern auch energieintensive Importgüter verteuert.
Obwohl eine reale Abwertung des Wechselkurses den globalen Schock teilweise abfedert, ist der negative Einfluss auf die EU-Produktion größer, da der Rückgang der globalen Nachfrage die Nettoexporte der EU reduziert.
Bei einem regionalen Schock mildert die Möglichkeit, auf günstigere Importe umzusteigen, die negativen Auswirkungen auf die Produktion, trotz einer modellbedingten Aufwertung des Wechselkurses.
Zweitrundeneffekte: Die wahre Gefahr
Die Analyse von Zweitrundeneffekten ist für die Geldpolitik von entscheidender Bedeutung, da sie über die Persistenz der Inflation entscheidet.
Insbesondere Lohn-Preis-Spiralen und verankerte Inflationserwartungen stellen eine erhebliche Gefahr dar, die voreilige Lockerungen verbietet.
Die EZB muss hier wachsam bleiben, um eine zweite Inflationswelle zu verhindern und das Inflationsziel glaubwürdig zu erreichen.