Lane: Klimawandel beeinflusst EZB-Geldpolitik
Der Klimawandel ist keine ferne Bedrohung mehr, sondern beeinflusst Output und Inflation direkt. Philip R. Lane, Mitglied des EZB-Direktoriums, erläutert, wie die Europäische Zentralbank (EZB) diese Risiken in ihre geldpolitische Analyse integriert.
Wirtschaftliche Schäden und Anpassungsdruck
Die globale Erwärmung und extreme Wetterereignisse verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden.
Analysen zeigen, dass das globale BIP pro Kopf heute über 20 Prozent höher wäre, hätte es zwischen 1960 und 2019 keine Erwärmung gegeben – ein jährlicher Wachstumsverlust von 0,3 Prozent.
Diese kumulativen Effekte können das Potenzialwachstum durch Landdegradation, Tourismusverschiebungen und reduzierte Arbeitseffizienz mindern.
Die Unsicherheit durch häufigere Extremereignisse dämpft zudem Investitionen und Innovationen.
Die Auswirkungen variieren regional und sektoral; so leiden Pharmazeutika unter extremer Hitze, während Bergbau und Bauwesen anfällig für starke Regenfälle sind.
Viele Unternehmen im Euroraum tragen die Kosten solcher Ereignisse selbst, da die Versicherungsdeckung oft unzureichend ist.
Eine Schließung dieser Schutzlücke könnte die Auswirkungen auf das BIP deutlich reduzieren.
Hitze treibt Lebensmittelpreise, Inflation komplex
Extreme Wetterereignisse beeinflussen die Inflationsvolatilität, besonders bei Lebensmittelpreisen.
Die Hitzewelle im Sommer 2025 erhöhte die Preise für unverarbeitete Lebensmittel im Euroraum schätzungsweise um 0,4 bis 0,7 Prozentpunkte.
Zukünftige Temperaturanstiege könnten diesen Effekt verstärken, sodass Lebensmittelpreise nach einem extremen Sommer in den 2060er Jahren um rund 1,8 Prozentpunkte steigen könnten, was die Volatilität der Lebensmittelinflation erhöhen würde.
Der Gesamteffekt auf die Headline-Inflation ist jedoch komplex: Negative Angebotsschocks in der Landwirtschaft könnten durch klimawandelbedingte negative Nachfrageschocks in anderen Sektoren teilweise ausgeglichen werden.
Studien zeigen zudem asymmetrische und heterogene Auswirkungen höherer Temperaturen auf die Inflation, je nach Komponente, Land und Zeitpunkt des Schocks.
Komplexität als Daueraufgabe
Die Integration von Klimarisiken in die geldpolitische Analyse ist ein komplexes Unterfangen, das weit über traditionelle Modelle hinausgeht.
Lanes Rede unterstreicht die Notwendigkeit einer datengetriebenen und nuancierten Analyse, um sowohl kurzfristige Schocks als auch langfristige Strukturveränderungen zu erfassen.
Für die EZB bedeutet dies eine fortlaufende Anpassung ihrer Instrumente und ihres Verständnisses der Wirtschaft, um ihr Mandat in einer sich wandelnden Welt zu erfüllen.