Lane: KI und grüner Wandel stützen Wachstum, Inflation bleibt im Fokus
EZB-Direktor Philip R. Lane sieht Europas Wirtschaft durch KI und grünen Wandel gestärkt, warnt aber vor Inflationsrisiken und Chinas globaler Rolle. Er mahnt zur Geduld bei Zinssenkungen und betont die Wachsamkeit der EZB gegenüber externen Schocks.
Europas Wachstumsmotoren: KI und grüne Transformation
EZB-Direktor Philip R. Lane hebt hervor, dass Europas Wirtschaftswachstum die Erwartungen übertroffen hat, maßgeblich getragen von höheren Unternehmensinvestitionen.
Diese werden durch den Aufstieg der Künstlichen Intelligenz (KI) und die grüne Transformation befeuert, da Firmen und Regierungen ihren Kapitalstock modernisieren.
Auch Konsum und Staatsausgaben tragen wie erwartet bei, während Exporte eine Belastung darstellen.
Lane betont, dass die Geldpolitik wie erwartet wirkte, aber durch eine zyklische Erholung nach der Pandemie und sinkende Energiepreise abgefedert wurde.
Ein wichtiger Faktor war zudem der Arbeitsmarkt mit höherer Erwerbsbeteiligung und stärkerer Zuwanderung, was die Arbeitskräfteversorgung erweiterte.
Der Aufstieg Chinas bleibt ein zentrales Thema für Europas globale Position, insbesondere in Technologie- und Preissetzungsmacht-Sektoren.
Die Auswirkungen von KI sind noch ungewiss, aber klar positiv und werden in den nächsten fünf Jahren entscheidend für die Wirtschaftsleistung sein, wobei Europa sich auf die Adaption der Technologie konzentrieren sollte.
Geduld bei der Inflationsbekämpfung
Philip R. Lane sieht die Eurozone nahe ihres Potenzials, aber nicht darüber, mit verbleibenden Kapazitätsreserven, insbesondere in der Industrie.
Er betont, dass die Hauptinflationsrisiken von externen Schocks wie Energiepreisen und geopolitischen Ereignissen ausgehen, nicht von kleinen Abweichungen um das Potenzial.
Die EZB verfolge ein symmetrisches Ziel von zwei Prozent Inflation und reagiere auch symmetrisch auf Abweichungen.
Die Kerninflation konvergiere dieses Jahr von über zwei Prozent zum Ziel.
Lane erwartet eine Fortsetzung der Lohnverlangsamung und einen leichten Anstieg der Energiepreise ab 2028.
Er bekräftigt die mittelfristige Ausrichtung der Geldpolitik und sieht derzeit keinen Grund für weitere Zinssenkungen, da die Kerninflation noch von über zwei Prozent konvergiert.
Zwischen alten Narben und neuen Risiken
Die EZB trägt laut Lane zwei „Narben“: die chronisch niedrige Inflation vor der Pandemie und die kostspielige Phase hoher Teuerung.
Diese Erfahrungen prägen die aktuelle Vorsicht, da die Gefahr einer Wiederbelebung der Inflation nun bekannt ist.
Eine Eskalation des Nahost-Konflikts bleibt dabei ein zentrales Risiko, das bei einer anhaltenden Störung der Energieversorgung zu einem erheblichen Inflationsanstieg und einem starken Produktionsrückgang führen könnte.
Quelle: Philip R. Lane: Interview with Financial Times
IN: