EZB-Direktor Lane sieht zyklische Erholung und stabile Zinsen
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EZB-Direktor Lane sieht zyklische Erholung und stabile Zinsen

Die Eurozone steht vor einer zyklischen Erholung, während die Inflation das Zwei-Prozent-Ziel erreicht. EZB-Direktor Philip R. Lane betont, dass die Zinsen im Basis-Szenario stabil bleiben und externe Risiken im Fokus stehen.

Inflation auf Kurs, Zinsen im Gleichgewicht

Die Eurozone erlebte 2021 und 2022 einen schweren Inflationsschock, dem die EZB mit einer entschlossenen Straffung begegnete.

'Dieses Jahr ist eine wichtige Übergangsphase,' sagte EZB-Direktor Philip R. Lane.

Die Gesamtinflation liegt bereits bei rund 2 Prozent, doch die Kerninflation ohne Energie verharrt bei 2,5 Prozent, während Energiepreise negativ sind.

Die Dezember-Projektionen sehen die Nicht-Energie-Inflation bis 2028 bei etwa 2 Prozent.

Die Zinsen stiegen von minus 0,5 Prozent vor der Pandemie auf 4 Prozent im Juni 2024, bevor sie im Juni 2025 auf 2 Prozent sanken.

Mit nominalen Zinsen und Inflation um 2 Prozent liegt der reale Zins nahe null.

Im Basis-Szenario erwartet die EZB keine großen Zinsbewegungen, sondern eine 'bemerkenswert stabile Situation'.

Externe Risiken, interne Dynamik

Die europäische Wirtschaft litt 2023-2025 unter hoher Inflation, Energiepreisen und steigenden Zinsen, was Konsum und Investitionen bremste.

Dennoch wuchs die Eurozone insgesamt, und die Arbeitslosigkeit blieb niedrig.

Für 2026 erwartet Lane eine stärkere zyklische Erholung, getragen von sinkenden Energiepreisen, fiskalischer Unterstützung in Deutschland und den verzögerten Effekten der Zinssenkungen.

Die Hauptrisiken für die Eurozone sind extern: das Wachstum der Weltwirtschaft, geopolitische Spannungen und deren Einfluss auf den globalen Handel.

Strukturell bleibt Europas potenzielles Wachstum jedoch niedrig, weshalb Reformen nach Draghi- und Letta-Berichten unerlässlich sind.

Europa muss sich neu erfinden

Europas geringes Potenzialwachstum und mangelnde Technologiedynamik sind eine strukturelle Hypothek.

Lane fordert daher eine Neuausrichtung: Binnenmarkt stärken, Spar- und Investitionsunion vollenden, Digitalen Euro vorantreiben.

Dies sind keine Optionen, sondern essenzielle Schritte zur monetären Autonomie und globalen Wettbewerbsfähigkeit.

Quelle: Philip R. Lane: Interview with La Stampa

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