Lane skizziert drei Zinsszenarien für EZB
EZB-Direktor Philip R. Lane sieht erhöhte Inflationsrisiken durch geopolitische Spannungen. Er skizziert drei Szenarien für die Zinspolitik, betont aber die Datenabhängigkeit des EZB-Rats.
Geopolitische Risiken und Inflationsdruck
Die erhöhten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten verschlechtern den makroökonomischen Ausblick für den Euroraum.
EZB-Direktor Philip R. Lane verweist auf steigende Unsicherheit, sinkenden Konsum und Investitionen durch hohe Energiepreise.
Obwohl ein Teil dieser Abwärtsrisiken bereits in der März-Prognose berücksichtigt wurde, wird der EZB-Rat im Juni prüfen, ob weitere Revisionen der makroökonomischen Projektionen notwendig sind.
Insbesondere die Ölpreise lagen über den März-Annahmen.
Lane erwartet einen weiteren Aufwärtsdruck auf die Inflation und eine mögliche Anpassung der Inflationsprognose im Juni.
Er warnt vor indirekten Effekten jenseits der Energiepreise, da Umfragen zeigen, dass viele Unternehmen Preiserhöhungen erwarten.
Sollte sich ein Energieschock zu einem breiteren Inflationsproblem entwickeln, wäre dies ein großes Problem.
Drei Szenarien, keine Vorfestlegung
Angesichts der Unsicherheit lehnt Lane eine Vorfestlegung auf einen Zinspfad ab.
Er skizziert drei Szenarien für die geldpolitische Reaktion: Bei einem kleinen, temporären Energieschock könnte die EZB diesen ignorieren.
Ein persistenter, mittelgroßer Schock würde eine begrenzte Zinsanpassung erfordern, aber keinen vollständigen Straffungszyklus.
Ein großer, sich nicht-linear ausweitender Schock würde hingegen eine stärkere geldpolitische Reaktion notwendig machen.
Lane betont, dass die EZB die Größe des Schocks derzeit bewertet.
Er sieht die Wahrscheinlichkeit des mildesten Szenarios schwinden, je länger der Konflikt andauert.
Die Märkte würden die Ölpreisentwicklung genau verfolgen und keine zusätzliche Guidance von der EZB benötigen.
Eine Entscheidung im Juni würde datenabhängig getroffen, ohne Vorfestlegung auf weitere Schritte.
Quelle: Philip R. Lane: Interview with Nikkei
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