Cipollone: Europas tokenisierte Märkte brauchen sichere Schienen
EZB-Direktor Piero Cipollone fordert eine sichere Infrastruktur für Europas tokenisierte Finanzmärkte. Er präsentierte die Eurosystem-Initiativen Pontes und Appia als Blaupause für ein integriertes digitales Ökosystem.
Fragmentierung und fehlende Anker bremsen Wachstum
Europas tokenisierte Kapitalmärkte haben den Übergang von der Exploration zur Produktion vollzogen.
Seit 2021 wurden DLT-basierte Fixed-Income-Instrumente im Wert von fast 4 Milliarden Euro platziert, darunter erste digitale Staatsanleihen.
Das Eurosystem selbst führte 2024 Transaktionen im Wert von 1,6 Milliarden Euro durch.
Trotz dieser Dynamik verhindern zwei Hauptfaktoren ein schnelles Wachstum: die Zersplitterung der Plattformen, die Liquidität fragmentiert und Integrationskosten erhöht, sowie das Fehlen eines gemeinsamen, vertrauenswürdigen On-Chain-Settlement-Assets.
Ohne tokenisiertes Zentralbankgeld bleiben Transaktionen Risiken ausgesetzt, was die Skalierung des Marktes begrenzt.
Die EZB reagiert darauf mit 'Pontes', einer Initiative, die im dritten Quartal 2026 starten soll.
Pontes wird DLT-Plattformen mit den bestehenden TARGET-Diensten verbinden und so die Abwicklung in Zentralbankgeld ermöglichen.
Zentralbankgeld als sicherer Hafen
Zentralbankgeld ist das sicherste und liquideste Settlement-Asset, frei von Kredit- oder Liquiditätsrisiken, und dient als monetärer Anker des Finanzsystems.
Internationale Standards fordern die Abwicklung in Zentralbankgeld, wo immer möglich.
Ohne dieses Fundament können tokenisierte Märkte nicht die notwendige Geschwindigkeit und Größe erreichen.
Private Settlement-Assets wie tokenisierte Einlagen oder Stablecoins spielen zwar eine Rolle, benötigen aber einen vertrauenswürdigen öffentlichen Anker, um effektiv zu funktionieren.
Die Eurosystem-Initiative 'Appia' setzt hier an: Sie soll bis 2028 in Zusammenarbeit mit Stakeholdern einen langfristigen Plan für ein zukunftsfähiges europäisches Ökosystem liefern.
Appia und Pontes bilden eine kohärente Strategie, wobei Pontes als Kernkomponente in das Appia-Ökosystem integriert werden soll.
Ambition trifft auf Realität
Cipollones Rede verdeutlicht, dass Europas regulatorischer Vorsprung bei tokenisierten Märkten nur ein erster Schritt ist.
Die Herausforderungen der Fragmentierung und des fehlenden Zentralbankgeld-Ankers erfordern eine konzertierte Anstrengung von öffentlichem und privatem Sektor sowie eine ambitionierte rechtliche Harmonisierung.
Nur so kann Europa seine frühen Vorteile in eine dauerhafte Führungsposition bei digitalen Finanzmärkten umwandeln.