EZB: Europa muss Euro-Rolle aktiv stärken
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EZB: Europa muss Euro-Rolle aktiv stärken

Die internationale Rolle des Euro wächst, aber nicht gezielt. Angesichts eines umkämpfteren globalen Währungssystems muss Europa aktiv handeln, um seine Währung zu stärken.

Starke Fundamente, aber kein Selbstläufer

Das internationale Währungssystem wird zunehmend umkämpfter, wobei große Volkswirtschaften die Nutzung ihrer Währungen aktiv gestalten.

Europa war bisher eine Ausnahme; die globale Rolle des Euro hat in den letzten Jahren zugenommen, jedoch eher zufällig als durch gezielte Maßnahmen.

Der Startpunkt ist günstig: Seit Mitte der 2010er-Jahre ist die internationale Rolle des Euro um rund 1,5 Prozentpunkte gestiegen.

Der Anteil des Euro an den globalen Reserven liegt seit zwei Jahrzehnten bei etwa 20 Prozent.

Die in Euro begebenen internationalen Schuldtitel erreichten im vergangenen Jahr fast 1 Billion Euro, den höchsten Jahreswert seit Einführung der Gemeinschaftswährung.

Dieser Fortschritt basiert auf strukturellen Stärken wie Europas Offenheit, Rechtsstaatlichkeit, der Unabhängigkeit der EZB und einem robusten Fiskalrahmen.

Zudem haben gezielte europäische Maßnahmen, etwa im Bereich grüner und nachhaltiger Finanzen, zu Markterfolgen geführt, wobei der Euro den Dollar als führende Währung im globalen Green-Bond-Markt überholt hat.

Auch Instant Payments nehmen dank EU-Gesetzgebung und des Eurosystem-Betriebs exponentiell zu.

Wettbewerb um Währungsdominanz

Trotz dieser Fortschritte ist mehr nötig, da andere große Volkswirtschaften ihre Währungsrolle aktiv ausbauen.

Fast ein Drittel des chinesischen Außenhandels wird inzwischen in Renminbi abgewickelt, und der Anteil der Währung an der globalen Handelsfinanzierung hat 8 Prozent erreicht, womit sie den Euro überholt hat.

Diese Entwicklungen spiegeln eine bewusste Politik Chinas wider, die Rolle seiner Währung dort auszuweiten, wo es wirtschaftliches Gewicht hat.

Auch die Vereinigten Staaten unternehmen gezielte Anstrengungen, die Reichweite des Dollars in den digitalen Bereich auszudehnen, etwa durch neue Gesetze zu Dollar-denominierten Stablecoins.

Obwohl US-Dollar-Stablecoins heute nur einen marginalen Anteil an internationalen Zahlungen ausmachen, zielt die Absicht darauf ab, neue Technologien zu nutzen, um eine bereits dominante Währung weiter zu festigen.

Die größten Volkswirtschaften der Welt ergreifen bewusste Maßnahmen, und Europa kann es sich nicht leisten, untätig zu bleiben.

EZB tut ihren Teil, Politik ist am Zug

Die EZB leistet ihren Beitrag zur Stärkung des Euro durch makroökonomische Stabilität und innovative Schritte wie die Erweiterung der EUREP-Fazilität und die geplante Ausgabe von tokenisiertem Zentralbankgeld ab September.

Doch die eigentliche Verantwortung liegt bei den EU-Gesetzgebern, die durch einen echten Binnenmarkt, eine Spar- und Investitionsunion sowie höhere Produktivität das Fundament legen müssen.

Ohne entschlossenes politisches Handeln wird der Euro seine internationale Rolle nicht ausbauen können.