Cipollone: Digitaler Euro stärkt Souveränität und Datenschutz
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Cipollone: Digitaler Euro stärkt Souveränität und Datenschutz

EZB-Direktor Piero Cipollone erläutert im Interview die Vorteile des digitalen Euro. Er betont dessen Rolle für europäische Souveränität und widerlegt Bedenken bezüglich Kontrolle und Transparenz der Bürger.

Europäische Unabhängigkeit als Kernargument

Der digitale Euro soll eine zusätzliche, einfache und überall im gesamten Euroraum nutzbare Zahlungsoption bieten, die für die Grundnutzung kostenlos ist.

EZB-Direktor Piero Cipollone hebt hervor, dass dies nicht nur den Konsumenten zugutekommt, sondern auch strategische Bedeutung für Europa hat.

Er argumentiert, dass die europäische Technologie hinter dem digitalen Euro die Abhängigkeit von Drittländern reduziert.

Als Beispiel nannte Cipollone Richter des Internationalen Strafgerichtshofs, deren US-Karten nach Sanktionen gesperrt wurden – eine Situation, die mit einem digitalen Euro im Euroraum vermieden worden wäre.

In 13 Ländern des Euroraums gebe es zudem kein eigenes nationales Zahlungssystem, was die Notwendigkeit einer europäischen Lösung unterstreiche.

Infrastruktur für Europas Zahlungsverkehr

Der digitale Euro adressiert praktische Lücken im Zahlungsverkehr: Rund ein Drittel aller Zahlungen erfolgt online, wo Bargeld nicht nutzbar ist.

Auch im Supermarkt sind Barzahler oft benachteiligt.

Die EZB will diese Lücke schließen und öffentliches Geld auch digital verfügbar machen.

Dabei versteht sich die EZB als Infrastrukturanbieter, nicht als Konkurrent privater Akteure.

Cipollone vergleicht dies mit einem 'öffentlichen Schienennetz', das europäischen privaten Zahlungslösungen wie Wero ermöglicht, europaweit zu skalieren.

Dies soll die Abhängigkeit von US-Konzernen wie Visa und Mastercard in kritischen Infrastrukturbereichen reduzieren.

Kontrolle ist ein Mythos

Viel Misstrauen gegenüber dem digitalen Euro führt Cipollone auf Desinformation zurück.

Er betont, dass das Eurosystem weder die Autorität noch die Macht besitzt, Zahlungen zu blockieren oder die Verwendung zu kontrollieren.

Weder die EZB noch andere könnten digitale Euros markieren; Offline-Zahlungen böten zudem ein Höchstmaß an Privatsphäre, vergleichbar mit Bargeld.

Quelle: Piero Cipollone: Interview with Süddeutsche Zeitung

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