Digitaler Euro stärkt Europas Autonomie im Zahlungsverkehr
Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, betont die Notwendigkeit eines digitalen Euros zur Stärkung der europäischen Autonomie. Er sieht die neue Währung als entscheidend für die digitale Souveränität und die Resilienz des Zahlungsverkehrs.
Europas Souveränität im digitalen Zahlungsverkehr
Die Art und Weise, wie wir bezahlen, hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert.
Digitale Zahlungen sind die Norm, doch Zentralbankgeld bleibt auf physisches Bargeld beschränkt.
Dies schafft eine strukturelle Lücke im Währungssystem, da unsere Wirtschaft zunehmend digital wird.
Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, betont, die EZB müsse sicherstellen, dass öffentliches Geld den sich wandelnden Bedürfnissen der Europäer gerecht wird.
Er unterstrich, dass der digitale Euro 'kein Nebenprojekt' sei, sondern 'Teil der Kernaufgaben des Eurosystems', nämlich die Bereitstellung von Zahlungsmitteln mit gesetzlichem Status und die Ausgabe von Geld als öffentliches Gut.
Die sinkende Rolle des Bargelds und die starke Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungsanbietern – etwa 74,5 Prozent der bargeldlosen Transaktionen in Zypern über internationale Kartensysteme – schaffen Anfälligkeiten.
Ein digitaler Euro auf europäischer Infrastruktur würde Europas Autonomie im Zahlungsverkehr stärken.
Vorteile für alle Akteure
Der digitale Euro verspricht Verbrauchern Einfachheit, Komfort und die Wahlfreiheit eines öffentlichen Zahlungsmittels, digital wie physisch.
Er wäre überall im Euroraum nutzbar, online und offline, kostenlos für die Grundnutzung.
Die Offline-Funktion gewährleistet Resilienz und Privatsphäre.
Händler profitieren von einer europäischen Alternative zu internationalen Kartensystemen, die oft hohe Gebühren verlangen.
Kleine Händler könnten ihre Kosten für digitale Zahlungen halbieren.
Banken bleiben als primäre Schnittstelle für Nutzer erhalten.
Bestandsgrenzen und keine Verzinsung sollen übermäßige Einlagenabflüsse verhindern und so die Finanzstabilität wahren.
Ein Vergütungsmodell stellt sicher, dass Banken vom Übergang zum digitalen Euro profitieren.
Mehr als nur ein Zahlungsmittel
Der digitale Euro wird als entscheidender strategischer Schritt für Europas Autonomie präsentiert, der die Anfälligkeiten im Zahlungsverkehr adressiert.
Obwohl die technische Umsetzung komplex ist und einen sorgfältigen Interessenausgleich erfordert, scheint der politische Wille zur Weiterentwicklung stark.
Sein Erfolg wird letztlich von einer breiten Akzeptanz und einem klaren Mehrwert für die Nutzer abhängen, der über geopolitische Überlegungen hinausgeht.