Cipollone: Nachhaltigkeit ist Schlüssel für Wirtschafts-Stabilität
Piero Cipollone, Mitglied des Direktoriums der EZB, betont: Europas Weg zu stabilem Wachstum ist nur durch Nachhaltigkeit gesichert. Der aktuelle Energieschock unterstreicht die Notwendigkeit, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Geopolitische Spannungen eskalieren
Europa steht vor dem zweiten großen Energieschock innerhalb von vier Jahren.
Nach der russischen Invasion der Ukraine 2022 beeinträchtigt nun der Krieg im Iran und im Nahen Osten die Energieflüsse.
Die Schließung der Straße von Hormus stört globale Lieferketten.
Dieser Schock unterbricht einen positiven Trend stabiler Preise und robusten Wachstums im Euroraum, der in den letzten zwei Jahren mühsam erreicht wurde.
Die Inflation war auf Zielkurs, Realeinkommen hatten sich erholt, und Investitionen stiegen.
Der aktuelle Schock hat Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben und die kurzfristige Inflation angeheizt.
Die globale Ölversorgung ist um geschätzte 12 Millionen Barrel pro Tag gesunken, was etwa 11 Prozent der Vorkriegsversorgung entspricht.
Die jährliche Gesamtinflation stieg im April auf 3,0 Prozent, angetrieben durch einen Anstieg der Energiepreise um 10,9 Prozent.
Szenarien für eine unsichere Zukunft
Die EZB nutzt ökonomische Szenarien, um die Auswirkungen des Energieschocks auf die mittelfristige Inflation und die Wirtschaftsaussichten des Euroraums zu bewerten.
Im Basisszenario der März-Projektionen dürften höhere Energiepreise die Inflation kurzfristig über 2 Prozent halten, mit klaren Aufwärtsrisiken.
Für das Wachstum bestehen Abwärtsrisiken, da es im ersten Quartal bereits unter den Erwartungen lag.
Das adverse Szenario prognostiziert einen stärkeren Anstieg der Energiepreise (Öl auf 119 US-Dollar/Barrel, Gas auf 87 Euro/MWh im Q2 2026).
Dies würde die Inflation bis 2028 kumulativ um 1,5 Prozentpunkte erhöhen und das Wachstum um 0,8 Prozentpunkte senken.
Das schwerwiegende Szenario sieht noch extremere Preisspitzen und kumulativ 6,3 Prozentpunkte höhere Inflation bis 2028 vor.
Nachhaltigkeit als Überlebensstrategie
Cipollones Rede verschiebt die Debatte um Nachhaltigkeit von einer rein ökologischen zu einer ökonomischen Notwendigkeit.
Die Betonung der Energiesicherheit als Haupttreiber für Dekarbonisierung bietet einen pragmatischen Ansatz, der über Klimaziele hinausgeht.
Dies könnte die politische Akzeptanz für grüne Transformationen erheblich steigern und Europas Widerstandsfähigkeit gegen zukünftige geopolitische Schocks stärken.