EZB erklärt Inflationsschub durch Preis-Kaskaden in Lieferketten
Der Inflationsschub nach der Pandemie ist besser durch Produktionsnetzwerke und 'zustandsabhängige' Preisgestaltung zu erklären als durch Nachfrage. EZB-Forscher zeigen, wie Preisschocks in Lieferketten Kaskaden auslösen und die Teuerung anheizen.
Warum Preise nicht zufällig steigen
Die post-pandemische Inflation wird besser durch die Produktionsnetzwerke der Wirtschaft und 'zustandsabhängige' Preisgestaltung erklärt.
Firmen sind eng durch Lieferketten verbunden, sodass ein Preisanstieg in einem Sektor simultane Preisanpassungen vieler nachgelagerter Firmen auslösen kann – eine 'Preis-Kaskade'.
Diese Kettenreaktion kann einen begrenzten Schock in eine breit angelegte Inflationsphase verwandeln.
Zudem passen Firmen Preise nicht mechanisch an, sondern nur, wenn der Unterschied zwischen aktuellem und gewinnmaximierendem Preis groß genug ist, um den Aufwand zu rechtfertigen.
Diese Kombination aus Netzwerken und zustandsabhängiger Preisgestaltung zeigt, dass Inflation viel plötzlicher auf angebotsseitige als auf nachfrageseitige Schocks reagieren kann.
Warum Energiepreise die Wirtschaft fluten
Angebotsseitige Schocks, wie der Anstieg der Energiepreise nach der russischen Invasion der Ukraine, lösen Preis-Kaskaden aus.
Viele Firmen sind gleichzeitig motiviert, Preise anzupassen, was zu einem scharfen und schnellen Inflationsschub führt.
Nachfrageseitige Schocks hingegen dämpfen die Preisanreize, da die Kosten nur allmählich steigen.
Das Modell der EZB-Forscher, das fast 40 Sektoren des Euroraums abbildet, reproduziert den Inflationsanstieg auf rund 11 Prozent und die ungewöhnlich schnelle Preisanpassung der Firmen nach 2020 erfolgreich.
Für die Geldpolitik bedeutet dies, dass ein Verständnis der Lieferkettenstruktur unerlässlich ist, um künftige Inflationsrisiken zu antizipieren und ein 'Frühwarnsystem' für angebotsseitige Schocks zu entwickeln.