Selektion verzerrt Lohnlücke nach Geschlecht
Ein neues EZB Working Paper zeigt, wie die Selektion in Vollzeitbeschäftigung die geschlechterbedingte Lohnlücke verzerrt. Die Studie belegt, dass Selektionseffekte je nach Lohnquantil und Bildungsgrad variieren.
Selektionseffekte verzerren Lohnlücke
Ein neues EZB Working Paper beleuchtet, wie die Selektion in Vollzeitbeschäftigung die geschlechterbedingte Lohnlücke über die gesamte Lohnverteilung hinweg verzerrt.
Die Studie von Batbayar, Breunig, Haan und Ilieva stellt eine innovative Methode vor, um selektionskorrigierte Quantile der Lohnlücke zu schätzen.
Dabei kommen Instrumentalvariablen zum Einsatz, die Variationen in der latenten Variable erklären, aber die Selektion nicht direkt beeinflussen.
Die Forscher finden eine ausgeprägte positive Selektion bei Frauen am unteren Ende der Lohnskala, insbesondere bei geringerer Bildung.
Dies führt zu einer Verbreiterung der Lohnlücke in diesem Segment.
Gleichzeitig beobachten sie eine starke positive Selektion bei hochgebildeten Männern an der Spitze, was die Lohnlücke in den oberen Quantilen verringert.
Nach der Korrektur für Selektion sind die geschätzten Löhne niedriger als die beobachteten, besonders für geringer bezahlte Frauen.
Dies erhöht die Lohnlücke in den unteren Quantilen, verkleinert sie aber leicht in den oberen Quantilen, insbesondere bei hochqualifizierten Arbeitskräften.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die Heterogenität der Selektion über verschiedene Gruppen und Lohnverteilungen hinweg zu berücksichtigen.
Warum die Beobachtung trügt
Viele Studien vergleichen Löhne nur unter jenen, die tatsächlich Vollzeit arbeiten.
Doch die Beschäftigung selbst ist nicht zufällig: Personen mit höherem Verdienstpotenzial arbeiten mit größerer Wahrscheinlichkeit Vollzeit.
Wird diese Selektion ignoriert, können gemessene Lohnlücken irreführend sein, und die Verzerrung kann sich über niedrige, mittlere und hohe Einkommensgruppen unterscheiden.
Die neue Methode verwendet Frühkarriere-Löhne aus deutschen Verwaltungsdaten als Instrument.
Diese erfassen persistente individuelle Merkmale, die das langfristige Verdienstpotenzial prägen.
Der Ansatz identifiziert Lohnquantile, ohne eine spezifische funktionale Form für die Selektion anzunehmen, und vermeidet parametrische Beschränkungen der Selektionswahrscheinlichkeit.
Die Schätzung basiert auf inverser Wahrscheinlichkeitsgewichtung in Kombination mit Quantilsregression.
Ein entscheidender Blick hinter die Kulissen
Diese Studie liefert einen entscheidenden methodischen Fortschritt für die Analyse der geschlechterbedingten Lohnlücke, indem sie die Komplexität der Selektion in den Arbeitsmarkt umfassend berücksichtigt.
Die Erkenntnisse zeigen, dass die bloße Beobachtung von Löhnen ohne Selektionskorrektur zu erheblichen Fehlinterpretationen führen kann, insbesondere an den Rändern der Lohnverteilung.
Für politische Entscheidungsträger bedeutet dies, dass Maßnahmen zur Verringerung der Lohnlücke auf diese differenzierten Selektionseffekte eingehen müssen, um wirklich wirksam zu sein.
Quelle: Quantile selection in the gender pay gap
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