Unternehmenspleiten steigen, Bankkreditbücher robust
Die Unternehmenspleiten im Euroraum nehmen zu, doch die Kreditbücher der Banken bleiben robust. Eine EZB-Analyse erklärt diese Divergenz und ihre Finanzstabilitäts-Implikationen.
Das Paradox der Unternehmenspleiten
Die Unternehmenspleiten im Euroraum haben seit dem Auslaufen der Pandemie-Hilfen deutlich zugenommen und übertreffen das Vorkrisenniveau.
Gleichzeitig bleibt die aggregierte Qualität der Bankkreditbücher robust, was auf eine Divergenz hindeutet.
Eine Analyse der EZB zeigt, dass der Anstieg der Pleiten teilweise durch die Normalisierung der Unternehmensdynamik nach der COVID-19-Pandemie erklärt werden kann.
Während der Pandemie verzerrten umfangreiche staatliche Stützungsmaßnahmen die üblichen Ein- und Austrittsdynamiken, indem sie Insolvenzen unterdrückten.
Die Registrierungs-/Insolvenz-Quote stieg um 2020-21 stark an und sank dann, als Insolvenzen 'aufholten'.
Diese Normalisierung war um 2023 weitgehend abgeschlossen, doch der Anstieg der Pleiten setzte sich fort.
Die Schwachstellen konzentrieren sich auf einen 'verletzlichen Teil' der Unternehmen, insbesondere Mikro- und Kleinunternehmen, während die durchschnittliche Firma im Euroraum stabil bleibt.
Risiken außerhalb des Bankensystems
Strukturelle Veränderungen in der Unternehmensfinanzierung spielen eine Rolle.
Euro-Unternehmen sind seit zwei Jahrzehnten weniger auf Bankkredite angewiesen.
Eigenkapital, Schuldverschreibungen und Nichtbanken-Kredite haben an Bedeutung gewonnen.
Dies verlagert einen Teil des Unternehmensrisikos außerhalb des Bankensystems.
Die stabile aggregierte Kreditqualität der Banken spiegelt auch heterogene Dynamiken wider: Während Kredite an Großunternehmen hohe Qualität behielten, stiegen die NPL-Quoten für kleine und mittlere Unternehmen seit 2023.
Da KMU-Kredite nur 27 Prozent der gesamten Unternehmenskredite ausmachen, ist der Einfluss auf die aggregierte NPL-Quote begrenzt.
Zudem verwalten Banken notleidende Kredite proaktiv.
Es gibt keine systematischen Hinweise auf eine verzögerte NPL-Erkennung.
Schwächere Fundamentaldaten führen eher zu einer Reklassifizierung von Engagements.
Entwarnung mit Vorbehalten
Die Studie liefert eine wichtige Entwarnung für das Bankensystem, da die aggregierten Risiken trotz steigender Pleiten beherrschbar bleiben.
Dennoch zeigt die Konzentration der Schwachstellen in einem 'verletzlichen Teil' der Unternehmen und bei KMU, dass selektive Risiken bestehen bleiben und genau beobachtet werden müssen.
Die Verlagerung von Unternehmensrisiken aus dem Bankensektor in den Nichtbanken-Sektor erfordert zudem eine breitere Überwachung der Finanzstabilität.