Finanznetzwerke: Banken dominieren Euroraum, Ausnahmen in vier Ländern
Eine neue EZB-Studie analysiert die finanziellen Verflechtungen im Euroraum mittels Netzwerk-Analyse. Sie zeigt, dass Banken in den meisten Ländern zentral sind, während in Zypern, Irland, Luxemburg und Malta andere Finanzinstitutionen dominieren.
Banken im Zentrum, vier Ausnahmen
Eine neue EZB-Studie von Antonio Sánchez Serrano analysiert die finanziellen Verflechtungen im Euroraum mittels Netzwerk-Analyse auf Basis von Who-to-whom-Daten vom Ende 2024.
Die Untersuchung zeigt, dass Banken in den meisten Euro-Ländern die zentralen Akteure in den nationalen Finanznetzwerken sind.
Sie unterhalten starke Verbindungen zu anderen Finanzsektoren und zur Realwirtschaft, haben jedoch begrenzte grenzüberschreitende Engagements.
Dies deutet auf eine vorwiegend nationale Ausrichtung der Bankdienstleistungen hin.
Eine signifikante Ausnahme bilden Zypern, Irland, Luxemburg und Malta.
Dort dominieren Investmentfonds und andere Finanzinstitutionen die Netzwerke, mit umfangreichen Verflechtungen zum Rest der Welt, aber nur schwachen Verbindungen zur heimischen Realwirtschaft.
Diese Institutionen dienen primär als Kanäle für ausländische Ersparnisse in ausländische Investitionen.
Die Studie identifiziert in jedem Land zwei Hauptgemeinschaften: eine, die Banken und die Realwirtschaft umfasst, und eine zweite, die andere Finanzintermediäre und den Rest der Welt abbildet.
Dies bestätigt die Schlüsselrolle der Banken als Dienstleister für die Realwirtschaft.
Netzwerkanalyse als Risikomonitor
Die Netzwerkanalyse untersucht Beziehungen zwischen verbundenen Datenpunkten, um komplexe Systeme zu verstehen.
Im Finanzbereich hat sie seit der globalen Finanzkrise erheblich an Bedeutung gewonnen, insbesondere für makroprudenzielle Behörden zur Überwachung systemischer Risiken, da finanzielle Verflechtungen als Hauptquellen systemischer Risiken gelten.
Die vorliegende Studie wendet diese Methode auf die zwanzig Länder des Euroraums an, indem sie Who-to-whom-Daten aus den vierteljährlichen Sektorkonten nutzt.
Diese Konten liefern detaillierte Informationen über Bilanzen der Hauptsektoren wie Haushalte, Unternehmen, Banken und Investmentfonds sowie den Rest der Welt.
Die Daten umfassen Engagements über börsennotierte Aktien, Schuldverschreibungen, Einlagen und Kredite.
Nach der Aggregation dieser sektorübergreifenden Engagements wird die Netzwerkanalyse angewendet, um zentrale Sektoren und potenzielle Schockausbreitungswege zu identifizieren.
Bekannte Risiken, neue Perspektiven
Die Studie bestätigt die Notwendigkeit eines robusten Aufsichtsregimes für Banken und betont die Wichtigkeit internationaler Koordination bei grenzüberschreitenden Finanzaktivitäten.
Sie liefert eine wertvolle methodische Plattform für weitere Analysen, ohne jedoch grundlegend neue Risiken aufzudecken.
Für politische Entscheidungsträger dient sie primär als Erinnerung an bestehende Herausforderungen und die Überwachung kleinerer, potenziell schockübertragender Sektoren.