Klimaanpassung für Banken: Transparenz statt Größe
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Klimaanpassung für Banken: Transparenz statt Größe

Eine neue EZB-Studie untersucht die Wirksamkeit von Level-3-Vorschriften zur Förderung der Klimaanpassung bei Banken. Die Autoren fordern eine stärkere Integration physischer Risiken in Stresstests, Übergangspläne und Offenlegungen.

Das Paradox der Anpassungspflicht

Europa ist der am schnellsten sich erwärmende Kontinent, mit zunehmenden physischen Risiken wie Überschwemmungen und Hitzewellen.

Obwohl Klimaanpassung eine rechtliche Verpflichtung in der EU ist, ist ihr Inhalt in der Gesetzgebung oft mit Klimaschutzmaßnahmen verschwommen.

Die Studie der EZB analysiert, wie Banken physische Risiken in ihrem Risikomanagement und ihren Kundenstrategien berücksichtigen.

Sie betont die Bedeutung der Transparenzregulierung, da Stakeholder Anpassungsbemühungen maßgeblich beeinflussen können.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Banken physische Klimarisiken konsequent in ihre Stresstests, Übergangspläne und Säule-III-Offenlegungen integrieren sollten.

Übergangspläne müssen physische Gefahren, Exposition und Vulnerabilität adressieren und konkrete Anpassungsziele festlegen.

Anpassungsmaßnahmen sollten als Risikominderer behandelt werden, die sich in den Verlustquoten bei Ausfall (LGDs) widerspiegeln, wobei die Schwere und Konsistenz dieser Verluste in den Plänen und Stresstests berücksichtigt werden muss.

Wirtschaftliche Kosten und fehlende Finanzierung

Die wirtschaftlichen Auswirkungen physischer Risiken sind erheblich: Die durchschnittlichen jährlichen Wirtschaftsschäden durch Naturkatastrophen in der EU beliefen sich 2020-2023 auf rund 44,5 Milliarden Euro.

Die EZB quantifizierte potenzielle Verluste aus Portfolio-Expositionen gegenüber Flussüberschwemmungen in Deutschland und Frankreich bis 2050 auf etwa 200 Milliarden Euro.

Trotz dieser Zahlen hinkt die Anpassungsfinanzierung in der Regel der Klimaschutzfinanzierung hinterher.

Die Literatur zeigt, dass Naturkatastrophen die Kreditvergabe von Banken reduzieren und die Finanzierung der Klimaanpassung im Vergleich zum Klimaschutz zurückbleibt.

Die NGFS (Network for Greening the Financial System) hat die Rolle der Banken bei der Bewältigung von Klimarisiken und der Bereitstellung von Anpassungsfinanzierungen hervorgehoben.

Die Studie fordert einen ganzheitlichen Ansatz für physische Klimarisiken in Stresstests, Übergangsplänen und Säule-III-Offenlegungen von Banken.

Vulnerabilität statt Bilanzsumme

Die Studie liefert eine wichtige Korrektur zur gängigen Praxis der Proportionalität in der Offenlegung.

Indem sie Transparenz und lokale Vulnerabilität über die Bankengröße stellt, verschiebt sie den Fokus auf die tatsächlichen Risikotreiber.

Für Regulierer bedeutet dies eine klare Handlungsaufforderung, die Offenlegungsregeln anzupassen und die Integration von Klimaanpassung zu forcieren.

Die Erkenntnisse sind entscheidend für eine effektivere Steuerung von Klimarisiken im Finanzsektor.