Nichtbanken: Neue Regeln gegen systemische Risiken
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Nichtbanken: Neue Regeln gegen systemische Risiken

Die Europäische Zentralbank (EZB) schlägt eine Stärkung der makroprudenziellen Regulierung für Nichtbanken vor. Ziel ist es, systemische Risiken im wachsenden Sektor zu mindern und Finanzstabilität zu sichern.

Wachsende Risiken im Schat­ten­ban­ken­sek­tor

Die Nichtbanken-Finanzintermediation (NBFI) hat seit der globalen Finanzkrise stark an Bedeutung gewonnen und macht mittlerweile 19 Prozent der Vermögenswerte des Finanzsystems im Euroraum aus.

Dieses Wachstum bietet zwar Vorteile wie die Diversifizierung der Kapitalquellen, birgt jedoch auch erhebliche finanzielle Anfälligkeiten.

Systemische Risiken können entstehen, wenn NBFI-Einheiten in Gegenwart von Hebelwirkung und Liquiditätsinkongruenzen Schocks verstärken, mit negativen Auswirkungen auf das Finanzsystem und die Realwirtschaft.

Enge Verbindungen zu Banken – über Finanzierungs-, Einlagen- und Gegenparteibeziehungen sowie gemeinsame Vermögenswerte – können Spillover-Effekte in Stresszeiten verstärken.

Jüngste Episoden wie die britische Gilt-Markt-Krise 2022 und der 'Dash for Cash' im März 2020 unterstreichen die Notwendigkeit, diese Schwachstellen durch eine angepasste Regulierung und Aufsicht zu mindern.

Der aktuelle Regulierungsrahmen für Nichtbanken wurde bisher nicht ausreichend mit dem makroprudenziellen Ziel konzipiert, den Aufbau systemischer Risiken ex ante zu reduzieren.

Eine makroprudenzielle Perspektive ist daher unerlässlich, um solche Risiken umfassend zu bewerten und die Resilienz des Sektors zu stärken.

Neue Instrumente für mehr Stabilität

Das Eurosystem hat gezielte Vorschläge zur Stärkung der makroprudenziellen Regulierung des NBFI-Sektors entwickelt.

Dazu gehört die Einführung eines neuen Liquiditätsinstruments, um Risiken aus Liquiditätsinkongruenzen in offenen Investmentfonds (OEFs) zu begegnen.

Weiterhin wird ein europaweites systemweites Stresstesting vorgeschlagen, um die Widerstandsfähigkeit des Sektors zu bewerten.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der NBFI-Daten und des Datenzugangs für verschiedene Behörden.

Auch die makroprudenziellen Governance-Regelungen sollen gestärkt werden, einschließlich der Reziprozität und Top-up-Befugnisse.

Diese Vorschläge erfordern teilweise legislative Änderungen und globale Koordination.

Eine mittelfristige Roadmap für die Weiterentwicklung der makroprudenziellen Agenda umfasst zudem eine umfassende NBFI-Datenstrategie, die Stärkung der Risikoanalyse und -überwachung sowie die Weiterentwicklung des Politikrahmens.

Ein längst überfälliger Schritt

Die Initiative zur Stärkung der makroprudenziellen Regulierung von Nichtbanken ist ein längst überfälliger Schritt, um die blinden Flecken im Finanzsystem zu beseitigen.

Die vorgeschlagenen Instrumente und die mittelfristige Roadmap zeigen einen klaren Willen, die Lehren aus vergangenen Krisen zu ziehen und proaktiv systemische Risiken zu adressieren.

Ihre tatsächliche Wirksamkeit wird jedoch maßgeblich von der konsequenten Umsetzung und der internationalen Koordination abhängen, um Regulierungsarbitrage zu verhindern.