Lieferketten-Unsicherheit verstärkt Energiepreis-Inflation
Eine neue EZB-Studie zeigt: Der Einfluss von Energiepreisen auf die Inflation hängt stark von der Unsicherheit in Lieferketten ab. Dies stellt die gängige Geldpolitik-Empfehlung, Energiepreisschocks zu ignorieren, infrage.
Wenn Lieferketten wackeln: Inflation reagiert stärker
Energiepreisschocks wirken sich nicht immer gleich auf die Inflation aus.
Eine neue EZB-Studie belegt, dass die Effekte auf die Verbraucherpreise stärker sind, wenn logistische Netzwerke unter Stress stehen und die Unsicherheit in den Lieferketten hoch ist.
Dies zeigte sich zwischen 2021 und 2023, als hohe Energiepreise und gestörte Transportwege zu einem starken Inflationsanstieg führten.
Auch der Iran-Konflikt 2026 löste einen Ölpreisanstieg und erneute Lieferketten-Unsicherheit aus, was Inflationssorgen schürte.
Die Autoren nutzen Daten aus den USA und dem Euroraum und zeigen, dass die Verbraucherpreise in Zeiten hoher Lieferketten-Unsicherheit deutlich stärker auf Öl- und Energieschocks reagieren.
Dies gilt für vier unabhängige Messgrößen der Unsicherheit und ist robust gegenüber zusätzlichen Kontrollen.
Energiepreise werden in instabilen Lieferketten-Phasen aussagekräftiger für logistische Bedingungen.
Textanalysen von Firmen-Earnings Calls bestätigen die Signalinterpretation der Firmen.
Energiepreise als Signal für Engpässe
Das Modell zeigt, wie Unternehmen Energie und spezialisierte Inputs über kapazitätsbeschränkte Transportnetzwerke beziehen.
Bei Engpässen bleibt Energie verfügbar, spezialisierte Inputs erfahren Lieferverzögerungen.
Energiepreise reflektieren Rohstoffschocks und Transportbedingungen.
Firmen interpretieren sie als Signale für Lieferunterbrechungen und passen Erwartungen an.
Dieser Signalextraktionskanal erhöht die wahrgenommenen Grenzkosten und erzeugt einen Unsicherheitskeil, der Energieschocks verstärkt.
Im neukeynesianianischen Modell führt dies zu höherer Elastizität und Persistenz der Inflation bei transitorischen Energieschocks.
Die Volatilität von Transportschocks wird somit zum entscheidenden Faktor für die Inflationsdynamik.
Ein Weckruf für die Geldpolitik
Die Studie stellt die konventionelle geldpolitische Empfehlung, transitorische Energieschocks zu ignorieren, fundamental infrage.
Sie zeigt auf, dass diese 'Durchblick'-Strategie versagen kann, wenn die Lieferketten-Unsicherheit hoch ist und selbst temporäre Schocks sich in den Inflationserwartungen verankern.
Eine vorausschauende Geldpolitik muss daher nicht nur die Höhe der Energiepreise, sondern auch die Volatilität der Lieferketten-Bedingungen berücksichtigen.