EZB-Studie: Synthetische Risikotransfers verlagern Risiken und schaffen neue
Drei Ökonomen der EZB untersuchen den Billionen-Euro-Markt für synthetische Risikotransfers (SRTs). Ihre Studie zeigt, dass diese Instrumente zwar Kapital freisetzen, aber auch neue Gefahren für die Finanzstabilität bergen.
Kapitalfreisetzung mit Nebenwirkungen
Banken nutzen synthetische Risikotransfers (SRTs), um potenzielle Verluste aus Kreditportfolios an Nichtbanken zu verlagern, während die Kredite in den Bilanzen verbleiben.
Dieser globale Markt umfasst über eine Billion Euro, davon allein 300 Milliarden Euro an ausstehenden Unternehmenskrediten im Euroraum Ende 2024.
Die EZB-Studie deckt auf, dass Banken strategisch Kredite für SRTs auswählen, die im Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Risiko kapitalkostenintensiv sind.
Dies führt dazu, dass Banken nach der Kapitalfreisetzung relativ zu ihrer Kapitalisierung risikoreichere Kreditportfolios aufweisen.
Ein kausaler Nachweis gelingt durch die Analyse des KMU-Unterstützungsfaktors, der Risikogewichte ohne Änderung der tatsächlichen Risikohöhe beeinflusst.
Eine um 15 Prozentpunkte höhere Risikogewichtung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines SRT um bis zu 70 Prozent.
Die freigesetzten Mittel werden oft für neue, nicht kapitalkostenintensive Kredite eingesetzt, was die effektive Kapitalisierung der Banken mindert.
Nachlassende Überwachung und enge Verflechtungen
Die Studie identifiziert eine reduzierte Überwachung der Kreditnehmer als weiteren Risikokanal.
Nach einem SRT senken Banken die Häufigkeit ihrer PD-Updates um 12 bis 25 Prozent, bei vollständiger Übertragung der Firmenexposition sogar um bis zu 70 Prozent.
Dies deutet auf geringere Kontrollanstrengungen hin.
Zudem besteht eine enge Vernetzung zwischen Banken und Nichtbanken-SRT-Investoren: Banken vergeben mit 60 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit SRTs an Partner, zu denen bereits Kreditbeziehungen bestehen.
Obwohl die Gesamtverschuldung dieser Investoren vor SRT-Transaktionen ansteigt, bleibt ihr durchschnittliches Verhältnis von Bankschulden zu Vermögenswerten mit rund 7 Prozent moderat, was die direkten Risiken begrenzt.
Ein notwendiger, aber risikoreicher Kompromiss
Die EZB-Studie liefert kritische Einblicke in einen wachsenden Markt, der für die Kapitalentlastung von Banken essenziell ist.
Sie zeigt jedoch klar auf, dass diese Instrumente nicht risikoneutral sind, sondern neue Schwachstellen in der Finanzstabilität schaffen können.
Regulierungsbehörden müssen die strategische Nutzung und die entstehenden Verflechtungen genau beobachten, um unerwünschte systemische Effekte zu verhindern.
Quelle: Synthetic, but how much risk transfer?
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