Zölle und Direktinvestitionen: Komplexes Zusammenspiel
Zölle sollen ausländische Direktinvestitionen (ADI) anziehen, doch eine neue EZB-Studie zeigt ein komplexes Bild. Die Wirkung hängt stark davon ab, ob ADI lokale Märkte bedienen oder Kostenvorteile in globalen Wertschöpfungsketten nutzen.
Zölle ziehen Direktinvestitionen an – außer in der Industrie
Eine neue EZB-Analyse von 36.218 Länderpaaren zwischen 2016 und 2023 zeigt: Zollerhöhungen sind insgesamt mit einem Anstieg der angekündigten Greenfield-Direktinvestitionen (ADI) verbunden.
Dies deutet darauf hin, dass 'Tarif-Jumping'-Motive dominieren.
Eine geringe Zollerhöhung führt im Folgejahr zu einem Anstieg der ADI-Projekte um rund 4 Prozent, eine mittlere um 6 Prozent.
Bei hoher Intensität steigt die Zahl sogar um 24 Prozent, oft mit antizipatorischen Effekten.
Für den wichtigen Fertigungssektor kehrt sich dieser Trend jedoch um: Hochintensive Zollerhöhungen führen zu einem Rückgang der angekündigten ADI-Projekte um rund 21 Prozent im selben Jahr.
Dies unterstreicht die Bedeutung von Inputkosten und vertikalen Verknüpfungen in globalen Wertschöpfungsketten für die Industrie.
Ambivalente Effekte je nach Investitionsart
Die Beziehung zwischen Zöllen und ADI ist ambivalent und hängt stark von der Art der Investition ab.
Zölle können 'Tarif-Jumping'-ADI anreizen, um Handelsbarrieren zu umgehen.
Gleichzeitig können sie aber auch Produktionskosten für Firmen erhöhen, die auf grenzüberschreitende Lieferketten angewiesen sind, und so Investitionen abschrecken.
Dieses duale Phänomen ist entscheidend für die Bewertung zollpolitischer Maßnahmen.
Die Analyse beleuchtet zudem die Auswirkungen der US-Zollankündigungen von 2025 unter Präsident Trump auf die ADI-Ströme.
Für den Euroraum bergen höhere Handelsbarrieren Risiken, da abfließende ADI heimische Investitionen verdrängen und den bilateralen Handel reduzieren können.
Protektionismus: Ein zweischneidiges Schwert
Die Studie entlarvt die Annahme, Zölle seien ein Allheilmittel für die Industriepolitik, als zu simpel.
Während sie kurzfristig Gesamt-ADI anziehen können, schaden sie dem strategisch wichtigen Fertigungssektor bei hoher Intensität.
Für politische Entscheidungsträger ist dies eine klare Warnung: Protektionismus ist ein zweischneidiges Schwert, dessen Klinge sich schnell gegen die eigene Industrie richten kann.