Eurozone: Banken straffen Kreditstandards weiter
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Eurozone: Banken straffen Kreditstandards weiter

Eurozonen-Banken haben im ersten Quartal 2026 die Kreditstandards für Unternehmen und Konsumenten weiter verschärft. Gleichzeitig sank die Nachfrage nach Krediten für Unternehmen und Konsumenten entgegen den Erwartungen.

Kreditklemme verschärft sich unerwartet

Die Banken der Eurozone meldeten im ersten Quartal 2026 eine weitere Netto-Straffung der Kreditstandards für Unternehmenskredite (Netto-Anteil der Banken von 10 Prozent).

Diese Straffung war stärker als erwartet und die ausgeprägteste seit dem dritten Quartal 2023, was einen kumulativen Trend seit Mitte 2025 fortsetzt.

Hauptursachen waren gestiegene Risikowahrnehmungen hinsichtlich der Wirtschaftsaussichten und eine geringere Risikotoleranz der Banken.

Geopolitische und energiebezogene Entwicklungen trugen ebenfalls zum Straffungsdruck bei, wobei einige Banken zusätzliche Verschärfungen für energieintensive Unternehmen und Engagements im Nahen Osten nannten.

Auch für Wohnungsbaukredite zogen die Standards leicht an, während sie für Konsumentenkredite stärker strafften (2 Prozent bzw. 15 Prozent Netto-Anteil).

Für das zweite Quartal 2026 erwarten die Banken eine noch deutlichere Straffung der Kreditstandards für Unternehmenskredite (19 Prozent), Wohnungsbaukredite (8 Prozent) und Konsumentenkredite (13 Prozent).

Nachfrage sinkt entgegen den Erwartungen

Entgegen den Erwartungen eines Anstiegs sank die Kreditnachfrage von Unternehmen im ersten Quartal 2026 leicht (Netto-Anteil von -2 Prozent).

Dies war hauptsächlich auf einen Rückgang der Nachfrage nach Festinvestitionen (-7 Prozent) zurückzuführen, teilweise ausgeglichen durch eine erhöhte Nachfrage nach Lagerbeständen und Betriebskapital (2 Prozent), insbesondere bei KMU.

Einige Banken führten die erhöhte Liquiditätsnachfrage auf Energiepreisentwicklungen zurück, während andere auf höhere Unsicherheit und die Verschiebung von Investitionen als dämpfende Faktoren verwiesen.

Die Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten blieb unverändert, während die Nachfrage nach Konsumentenkrediten stark zurückging (-11 Prozent).

Verschlechtertes Verbrauchervertrauen und Zinsentwicklungen trugen negativ zur Nachfrage bei.

Für das zweite Quartal 2026 prognostizieren die Banken weitere Rückgänge der Nachfrage nach Wohnungsbaukrediten (-20 Prozent) und Konsumentenkrediten (-9 Prozent).

Die allgemeinen Kreditbedingungen für Unternehmenskredite und Konsumentenkredite strafften sich ebenfalls, getrieben von den Kreditzinsen und höheren Ablehnungsquoten für alle Kreditnehmergruppen.

Dämpfer für Wirt­schafts­wachs­tum

Die Ergebnisse der EZB-Umfrage zeichnen ein klares Bild einer sich verschärfenden Kreditklemme in der Eurozone.

Die unerwartet starke Straffung der Kreditstandards und der Rückgang der Kreditnachfrage deuten auf eine spürbare Belastung für Investitionen und Konsum hin.

Dies könnte das ohnehin fragile Wirtschaftswachstum weiter dämpfen und die Erholung verzögern.