EZB-Studie: EU-CBAM wirkt gering auf Handel, stark auf Sektoren
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EZB-Studie: EU-CBAM wirkt gering auf Handel, stark auf Sektoren

Der EU-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) hat geringe direkte Auswirkungen auf den EU-Handel, mit einem Anstieg von 0,1 Prozent der Importwerte. Für spezifische Produkte wie Eisen, Stahl und Aluminium können die Effekte jedoch erheblich sein.

Der EU-Mechanismus gegen Carbon Leakage

Der EU-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) trat am 1. Oktober 2023 in Kraft und ist ein Kernbestandteil des 'Fit für 55'-Pakets.

Er soll das Risiko der Carbon Leakage adressieren, das durch unterschiedliche CO2-Preise zwischen der EU und ihren Handelspartnern entsteht.

Ab 2026 wird eine Abgabe auf Importe ausgewählter Produkte basierend auf deren CO2-Gehalt und dem Preisunterschied zum Exportland fällig.

Ziel ist ein fairer Wettbewerb für EU-Produzenten im EU-Markt.

Die aktuelle Regelung sieht jedoch keine Exportrabatte vor, was EU-Exporteure in Nicht-EU-Märkten benachteiligen könnte.

Die EZB-Studie analysiert die direkten Auswirkungen auf EU-Mitgliedstaaten und Handelspartner mittels Ad-Valorem-Tarifindizes.

Sie fokussiert sich auf die sechs derzeit abgedeckten Produktkategorien: Aluminium, Zement, Elektrizität, Eisen & Stahl sowie Düngemittel.

Geringe Gesamtwirkung, hohe sektorale Last

Die Studie schätzt die direkten Auswirkungen des aktuellen CBAM auf den Handel der EU-Länder als relativ gering ein.

Im Durchschnitt aller Importe erhöht sich der Wert der EU-Importe um 0,1 Prozent.

Die durchschnittlichen Kosten für Exporte von Nicht-EU-Ländern in die EU steigen um 0,04 Prozent, mit einem Maximum von 1,2 Prozent.

Für spezifische Produkte wie Eisen, Stahl und Aluminium können die Effekte jedoch erheblich sein.

Diese höheren Kosten erklären die politische Brisanz des CBAM und den Widerstand einiger Handelspartner, insbesondere aus Entwicklungsländern, die ihn als Handelsbarriere sehen.

Die Autoren betonen, dass eine Ausweitung des CBAM und ein deutlich höherer CO2-Preis in Zukunft größere Kosten verursachen könnten.

Ein Papiertiger mit scharfen Zähnen

Die Studie liefert eine nüchterne Einschätzung des CBAM, der in seiner aktuellen Form den Handel nur marginal beeinflusst.

Sie zeigt jedoch klar auf, dass die Last für bestimmte Sektoren und Handelspartner erheblich ist und Konfliktpotenzial birgt.

Eine zukünftige Ausweitung des Mechanismus könnte diese Effekte noch deutlich verstärken und bedarf weiterer genauer Analyse.