Geldpolitik glich inflationäre Umverteilung aus
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Geldpolitik glich inflationäre Umverteilung aus

Drei Ökonomen der EZB zeigen in einer Studie, dass die Geldpolitik der Jahre 2021-2022 die durch Inflation verursachte Umverteilung von Vermögen abgemildert hat. Ohne diese Reaktion hätte es eine starke Verschiebung von jung zu alt gegeben.

Inflationäre Lasten ungleich verteilt

Die Inflationsschocks der Jahre 2021 und 2022 hätten ohne geldpolitische Reaktion eine erhebliche Umverteilung von jungen und ärmeren Haushalten zu älteren und wohlhabenderen bewirkt.

Dies ist das zentrale Ergebnis einer neuen Studie von Michał Brzoza-Brzezina und Rodolfo Dinis Rigato von der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Forscher nutzten ein geschätztes Zwei-Asset-HANK-Modell (Heterogeneous Agent New Keynesian) mit einer Overlapping-Generations-Struktur (OLG), um die makroökonomischen Schocks und deren Verteilungseffekte im Euroraum zu analysieren.

Sie fanden heraus, dass die Inflation primär das Realeinkommen aus Arbeit erodierte, was Haushalte mit geringeren Vermögenspuffern besonders traf.

Niedrige Zinsen als Ausgleichsfaktor

Die Studie zeigt, dass die Geldpolitik durch das Beibehalten niedriger Zinsen bis Mitte 2022 diese Umverteilungseffekte weitgehend neutralisierte.

Eine rein auf einer Standard-Taylor-Regel basierende Politik hätte die Umverteilung nicht in diesem Maße abmildern können.

Die expansive Geldpolitik wirkte den inflationären Effekten entgegen, indem sie die Arbeitsnachfrage ankurbelte – was jüngeren und ärmeren Haushalten zugutekam – und gleichzeitig die Renditen auf Vermögenswerte älterer und reicherer Haushalte reduzierte.

Dieser Mechanismus führte zu einem deutlich ausgeglicheneren Umverteilungsbild, als es die Inflationsschocks allein suggeriert hätten.

Komplexität der Verteilungswirkung

Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse zur komplexen Rolle der Geldpolitik bei der Umverteilung.

Sie zeigt, dass die Wirkung stark von der gewählten Metrik abhängt und eine universelle Regel für die Inflationsreaktion nicht existiert.

Für Zentralbanken bedeutet dies, dass sie über die Inflationsrate hinaus Indikatoren für Verteilungsfragen berücksichtigen müssen.

Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer differenzierten Betrachtung von Wohlfahrts- und Konsummetriken bei der Analyse geldpolitischer Effekte.