EZB-Studie: Hohe Sparquote durch Einkommen und Unsicherheit stabilisiert
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EZB-Studie: Hohe Sparquote durch Einkommen und Unsicherheit stabilisiert

Eine neue EZB-Analyse zeigt: Die Haushaltssparquote im Euroraum ist seit Mitte 2024 auf einem erhöhten Niveau stabil geblieben. Steigende Einkommen und anhaltende Unsicherheit treiben diese Entwicklung.

Sparquote stabilisiert sich auf 15,4 Prozent

Nach einem pandemiebedingten Höchststand und einem Rückgang stieg die Haushaltssparquote im Euroraum von Mitte 2022 bis Mitte 2024 wieder an und verharrt seither auf einem erhöhten Niveau von 15,4 Prozent.

Vor der Pandemie lag der Durchschnitt bei 13 Prozent.

Diese Stabilisierung seit Mitte 2024 ist darauf zurückzuführen, dass das reale verfügbare Einkommen und der Konsum der Haushalte ähnlich stark wuchsen.

Ein statistischer Vergleich zeigt, dass vor der Pandemie vor allem steigende Realeinkommen die Sparquote stützten, während höherer Realkonsum einen gegenläufigen Effekt hatte.

Von Mitte 2022 bis Mitte 2024 beschleunigte sich das Einkommenswachstum deutlich, hauptsächlich durch höhere Beiträge aus Nicht-Arbeitseinkommen wie Selbstständigkeit, Nettozinserträgen, Dividenden und Mieten.

Auch fiskalische Maßnahmen zur Reaktion auf den Energiepreisschock trugen dazu bei, insbesondere durch undifferenzierte Unterstützung.

Diese Faktoren dürften die Sparquote erhöht haben, da Nicht-Arbeitseinkommen überproportional Haushalten mit höherem Einkommen zufließt, die eine größere Sparneigung haben.

Einkommen, Zinsen, Vermögen

Empirische Schätzungen belegen, dass die Sparquote im letzten Jahr erhöht blieb.

Negative Beiträge durch sinkende reale Zinsen und verbesserte reale Nettovermögenspositionen konnten den starken Anstieg des realen Arbeitseinkommens nicht vollständig ausgleichen.

Ein Modell für den realen Haushaltskonsum zeigt, dass vor der Pandemie höhere Realeinkommen die Sparquote erhöhten, da der Konsum nicht eins zu eins mit dem Einkommen adjustierte.

Zunehmendes reales Nettovermögen hingegen senkte die Sparquote.

Der Anstieg der Sparquote von Mitte 2022 bis Mitte 2024 spiegelte das rasch steigende Arbeitseinkommen wider.

Auch ein überdurchschnittliches Wachstum anderer Einkommen leistete einen signifikanten positiven Beitrag.

Seit Mitte 2024 wurde der starke Aufwärtsdruck durch das steigende reale Arbeitseinkommen durch zunehmendes reales Nettovermögen, sinkende reale Zinsen und eine Umkehrung früherer Einkommensanstiege ausgeglichen.

Unsicherheit als Spar-Motor

Die Studie liefert wichtige Einblicke in die komplexen Treiber der Sparquote.

Besonders hervorzuheben ist die Rolle der Unsicherheit, die trotz normalisierter Einkommens- und Vermögensdynamik einen anhaltenden Aufwärtsdruck auf die Ersparnisse ausübt.

Dies deutet darauf hin, dass Verhaltensfaktoren eine größere Rolle spielen als makroökonomische Modelle allein erfassen können.