Chinas Industriegigantismus: Chancen und Risiken für den Euroraum
Chinas industrieller Aufstieg beeinflusst Handel, Produktion und Preise im Euroraum. Die EZB-Analyse zeigt: Geringere Inputkosten stehen zunehmendem Wettbewerbsdruck gegenüber.
Chinas Wandel: Vom Textil zur Hochtechnologie
Chinas industrieller Aufstieg ist eine zentrale externe Kraft, die Handel, Produktion und Preise im Euroraum beeinflusst.
Er reduziert Kosten, erhöht aber auch den Wettbewerbsdruck für europäische Produzenten.
Die jüngste Ausweitung der chinesischen Exporte spiegelt Produktivitätsgewinne und technologische Fortschritte wider, die Chinas Rolle in der höherwertigen Fertigung stärken.
Seit 2020 verlieren Produzenten im Euroraum Marktanteile, wo sie mit China konkurrieren, insbesondere in mittel- und hochtechnologischen Industrien.
Die Herausforderungen unterscheiden sich vom 'ersten China-Schock' der frühen 2000er Jahre: Heute wachsen die Importe aus China stärker in fortgeschrittenen Sektoren wie Elektronik und Automobil als in traditionellen Bereichen.
Zudem verschiebt sich die Zusammensetzung der Importe hin zu Vorprodukten, und die Exporte des Euroraums nach China sind seit 2021 rückläufig.
Zwei Kanäle, unterschiedliche Effekte
Eine ökonometrische Analyse für den Zeitraum 2000-2022 zeigt eine klare Asymmetrie zwischen Inputkosten- und Wettbewerbskanal.
Ein durchschnittlicher jährlicher Anstieg der Importe von Vorprodukten aus China war mit einem Anstieg des Industrieproduktionswachstums in der EU um 0,6 Prozentpunkte verbunden.
Im Gegensatz dazu führte ein Anstieg der Importe von Endprodukten zu einem Rückgang der Produktion um etwa 1 Prozentpunkt.
Modellsimulationen mit einem DSGE-Modell bestätigen: Positive Produktivitätsschocks in Chinas traditionellem Fertigungssektor (Endprodukte) dämpfen die EU-Produktion, während Schocks im fortgeschrittenen Fertigungssektor (Vorprodukte) die Produktion stützen und das BIP der EU durch günstigere Importe fördern.
Kurzfristiger Gewinn, langfristiges Risiko
Die breitere Bewertung von Chinas industriellem Aufstieg für den Euroraum ist nuanciert.
Kurzfristige Vorteile durch günstigere Importe stehen langfristigen Risiken wie Produktionsverlagerung und strategischen Anfälligkeiten gegenüber.
Zudem fällt der Aufstieg mit schwacher chinesischer Importnachfrage und Marktanteilsverlusten für EU-Exporteuren zusammen.