Eurozone-Arbeitsmarkt widersteht Inflation durch Reallohn-Anpassung
Der Arbeitsmarkt der Eurozone zeigte sich trotz hoher Inflation und stagnierendem Output widerstandsfähig. Eine EZB-Studie erklärt dies mit dem Rückgang der Reallöhne, der die Arbeitsnachfrage stützte.
Ungewöhnliche Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarktes
Der Arbeitsmarkt der Eurozone zeigte sich während der Inflationswelle der frühen 2020er Jahre ungewöhnlich widerstandsfähig.
Im Gegensatz zu früheren Hochinflationsphasen, wie den 1970er und 1980er Jahren, expandierte die Beschäftigung, während die Arbeitslosigkeit historisch niedrig blieb, selbst als das Output-Wachstum stagnierte.
Diese Entkopplung von Output und Beschäftigung ist ein neues Merkmal der post-pandemischen Anpassung.
Die Studie der EZB-Ökonomen Agostino Consolo, Claudia Foroni und Linnéa Hjelm belegt, dass der Rückgang der Reallöhne entscheidend zur Aufrechterhaltung der Arbeitsnachfrage beitrug.
Dies steht im scharfen Kontrast zu den 1970er Jahren, als steigende Reallöhne die Arbeitslosigkeit verstärkten.
Die Transmission der Geldpolitik wirkte zudem asymmetrisch, mit einem stärkeren Einfluss auf den Output als auf die Beschäftigung, was die Prozyklizität der Arbeitsproduktivität verstärkte.
Strukturelle Verschiebungen in der Lohnfindung
Historisch waren Phasen hoher Energiepreise, wie in den 1970er Jahren, mit Beschäftigungsverlusten und steigenden Löhnen verbunden, da umfassende Indexierungssysteme und starke Verhandlungsmacht der Gewerkschaften die Nominallöhne über die Inflation trieben.
Die aktuelle Episode zeigt eine deutliche Erosion der Reallöhne.
Dies ist auf strukturelle Veränderungen zurückzuführen, darunter das nahezu vollständige Verschwinden automatischer Lohnindexierungen, die Zunahme von Teilzeitverträgen und eine geringere Gewerkschaftsabdeckung.
Verankerte Inflationserwartungen und die entschlossenen Zinserhöhungen der EZB um 450 Basispunkte zwischen Juli 2022 und September 2023 trugen ebenfalls dazu bei, die Lohnreaktionen einzudämmen und eine Lohn-Preis-Spirale zu verhindern.
Alte Muster, neue Realität
Diese Studie liefert eine entscheidende Erklärung für die ungewöhnliche Resilienz des Eurozonen-Arbeitsmarktes, die alte ökonomische Muster auf den Kopf stellt.
Die erhöhte Reallohnflexibilität reduziert zwar den Zielkonflikt für die Geldpolitik, birgt aber auch das Risiko breiterer Schwankungen in der zyklischen Produktivität.
Für die EZB bedeutet dies, dass sie die Arbeitsmarktdynamik noch genauer beobachten muss, um Hysterese-Effekte zu vermeiden und die richtige Balance zu finden.