EZB-Studie: Nationalität des Sprechers beeinflusst Geldpolitik
Nicht nur was, sondern auch wer: Eine neue EZB-Studie zeigt, dass die Nationalität des Sprechers die Reichweite und Glaubwürdigkeit geldpolitischer Botschaften beeinflusst. Gleiche Herkunft erhöht die Medienpräsenz und Überzeugungskraft.
Die Macht der nationalen Identität
Die Art und Weise, wie Zentralbanken kommunizieren, prägt die Wahrnehmung der Geldpolitik.
Eine aktuelle EZB-Studie, die mit dem Young Economist Prize 2025 ausgezeichnet wurde, hebt hervor, dass auch der Überbringer der Botschaft entscheidend ist.
Teilen Sprecher und Publikum die gleiche Nationalität, erhält die Information in ihrem Herkunftsland mehr Aufmerksamkeit in Zeitungen und sozialen Medien.
Dies steigert die Reichweite und Überzeugungskraft der Botschaft.
Eine Analyse von rund acht Millionen Tweets und über 25.000 Zeitungsartikeln aus den vier größten Euro-Ländern – Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien – zwischen 2016 und 2022 belegt dies.
So stieg die Berichterstattung über die EZB in Frankreich nach dem Amtsantritt der Französin Christine Lagarde 2019 deutlich an.
Im Gegensatz dazu sank die Medienpräsenz in Italien merklich, nachdem der Italiener Mario Draghi seine Präsidentschaft beendet hatte.
Dieser Effekt, bei dem die Wahl des Botschafters die Sichtbarkeit der Nachrichten für ein bestimmtes Publikum erhöht, ist ein zentrales Ergebnis der Untersuchung.
Glaubwürdigkeit durch gleiche Herkunft
Der 'Ingroup-Effekt' zeigt sich auch in der Geldpolitik: Botschaften von Sprechern gleicher Nationalität werden eher geglaubt.
Eine Studie untersuchte die Reaktion auf 48 geldpolitische Pressekonferenzen und stellte fest, dass Social-Media-Nutzer stärker reagieren, wenn der EZB-Präsident ihre Nationalität teilt.
Ein kontrolliertes Experiment mit Hunderten von Personen in den vier größten Euro-Ländern bestätigte: Individuen passten ihre Inflationserwartungen stärker an, wenn der Botschafter ihre Nationalität teilte.
Dieser Effekt wird durch Homophilie, Vertrauen und wahrgenommene Fähigkeit angetrieben.
Menschen neigen dazu, denen zu vertrauen und sie für fähiger zu halten, die ihnen ähnlich sind.
Vielfalt als Stärke
Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Kommunikationsstrategie von Zentralbanken.
Sie unterstreicht, dass die Nutzung der nationalen Vielfalt Europas die Wirksamkeit geldpolitischer Botschaften verbessern kann.
In einer komplexen Welt ist die Wahl des richtigen Botschafters nicht nur gute Kommunikation, sondern gute Politik.