Studie: Biodiversitätsrisiko erhöht Kreditzinsen
Eine neue Studie der EZB zeigt, dass Banken das Biodiversitätsrisiko von Unternehmen in ihren Kreditentscheidungen berücksichtigen. Unternehmen mit höherem Biodiversitätsrisiko zahlen signifikant höhere Kreditzinsen.
Risiko schlägt sich im Preis nieder
Die Untersuchung von Karoline Bax und Aida Ćehajić, durchgeführt im Rahmen des EZB Lamfalussy Fellowship Programms, analysiert syndizierte Kredite und Unternehmensdaten.
Sie belegt, dass Kreditnehmer mit höherem Biodiversitätsrisiko signifikant höhere Kreditaufschläge zahlen.
Die Evidenz für eine Reduzierung des Kreditvolumens ist schwächer, was darauf hindeutet, dass Banken primär über die Preisgestaltung reagieren, anstatt die Kreditvergabe einzuschränken.
Die Autoren entwickeln einen neuartigen textbasierten Indikator aus Unternehmenspublikationen, der den Kontext von Umweltrisiken erfasst.
Dieser Indikator ermöglicht es, die Exposition gegenüber Biodiversitätsrisiken präziser zu messen.
Die Studie nutzt zudem umweltbezogene Verstöße auf Unternehmensebene als Schocks, um die Identifikation zu stärken.
Solche Verstöße erhöhen die Sensitivität der Kreditpreisgestaltung gegenüber Biodiversitätsrisiken.
Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass Biodiversitätsrisiko eine finanziell relevante Dimension von Umweltrisiken in Kreditmärkten darstellt.
Frank Elderson (2023) von der EZB betonte: "Die Menschheit braucht die Natur zum Überleben, ebenso wie die Wirtschaft und die Banken.
Je mehr Arten aussterben, desto weniger vielfältig sind die Ökosysteme, auf die wir angewiesen sind.
Dies stellt ein wachsendes finanzielles Risiko dar, das nicht ignoriert werden kann.
"
Mehr als nur Klimarisiko
Der Verlust an Biodiversität hat sich zu einer kritischen Quelle von Umwelt- und Wirtschaftsrisiken entwickelt.
Die Zerstörung von Ökosystemen bedroht die Verfügbarkeit essenzieller natürlicher Ressourcen wie Wasser, Bodenqualität und biologische Inputs, die Produktionsprozesse in vielen Industrien untermauern.
Gleichzeitig sehen sich Unternehmen, deren Aktivitäten zum Biodiversitätsverlust beitragen, einer zunehmenden regulatorischen Prüfung, potenziellen Haftungsrisiken und Reputationskosten gegenüber.
Diese Kanäle implizieren, dass Biodiversitätsverlust die finanzielle Performance und die Risikoprofile von Unternehmen beeinflussen kann.
Die weit verbreitete Exposition von Banken gegenüber biodiversitätsbezogenen Risiken wirft wichtige Fragen für die Finanzstabilität und potenzielle systemische Anfälligkeiten auf.
Jüngste Daten zeigen, dass 72 Prozent der Unternehmen im Euroraum von mindestens einer Ökosystemdienstleistung abhängen, während von etwa 2.500 analysierten Banken 100 für 87 Prozent der Engagements gegenüber diesen Unternehmen verantwortlich sind (Ceglar et al., 2025).
Um das Biodiversitätsrisiko zu messen, stützen sich die Forscher auf eine Textanalyse von Unternehmenspublikationen.
Sie erweitern einen bestehenden Indikator durch einen Embedding-basierten Ansatz, der kontextuelle und indirekte Sprache effektiver erfasst.
Neben einem Gesamtmaß werden vier granulare Indikatoren für die Haupttreiber des Biodiversitätsverlusts entwickelt: Luftverschmutzung, Klimawandel, Landnutzung und Wasserverschmutzung.
Die Analyse berücksichtigt eine Reihe von Kredit-, Unternehmens- und Kreditgebermerkmalen sowie verschiedene fixe Effekte zur Kontrolle breiterer wirtschaftlicher Bedingungen.
Die Studie verwendet syndizierte Kreditdaten von Dealscan für US-amerikanische Kreditnehmer im Zeitraum 2007–2023.
Wichtiger Schritt für Risikomanagement
Diese Studie liefert erstmals robuste empirische Belege, dass Biodiversitätsrisiken bereits in Kreditmärkten eingepreist werden.
Sie unterstreicht die Notwendigkeit für Banken und Aufsichtsbehörden, diese komplexen Risiken systematisch zu erfassen und zu managen.
Für die Finanzstabilität ist dies ein entscheidender Erkenntnisgewinn, der über traditionelle Klimarisikobetrachtungen hinausgeht.