PE-Buyouts: Lieferketten-Effekte gehen über direkte Partner hinaus
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PE-Buyouts: Lieferketten-Effekte gehen über direkte Partner hinaus

Eine neue EZB-Studie zeigt, wie Private-Equity-Buyouts Lieferketten beeinflussen. Lieferanten von PE-Firmen profitieren in normalen Zeiten, leiden aber in Abschwüngen unter erhöhtem Druck.

Zwei Gesichter der Private-Equity-Effekte

Eine neue Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) beleuchtet die komplexen Auswirkungen von Private-Equity (PE)-Buyouts auf Lieferketten.

In normalen Wirtschaftszeiten übertreffen Lieferanten von PE-finanzierten Unternehmen ihre Konkurrenten deutlich: Sie verzeichnen ein Beschäftigungswachstum von 5 Prozent und ein Umsatzwachstum von 10 Prozent.

Dieser Erfolg ist primär auf eine erhöhte Nachfrage nach Vorleistungen seitens der PE-gestützten Kunden zurückzuführen, die selbst schneller wachsen.

In wirtschaftlichen Abschwüngen kehrt sich dieses Bild jedoch um.

Die Outperformance der Lieferanten verschwindet, und sie müssen ihre Gewinnmargen um rund 8 Prozent reduzieren.

Dies geschieht, da PE-Investoren den Verhandlungsdruck intensivieren und Lieferketten neu konfigurieren, um Kosteneinsparungen zu erzielen.

Darüber hinaus zeigt die Studie, dass PE-gestützte Unternehmen, indem sie Lieferantenkapazitäten absorbieren, Wettbewerber verdrängen, die auf dieselben Lieferanten angewiesen sind.

Die Ergebnisse unterstreichen die zentrale Rolle von Lieferketten bei der Wertschöpfung und -umverteilung durch PE-Investoren.

Belgische Daten enthüllen verborgene Dynamiken

Die ökonomischen Effekte von Private Equity sind kontrovers.

Befürworter sehen Wertschöpfung durch operative Verbesserungen, Kritiker beklagen eine Umverteilung von Überschüssen zulasten anderer Stakeholder durch aggressiven Kostenabbau.

Bisherige Forschung konzentrierte sich auf die direkten Auswirkungen von Buyouts auf die erworbenen Firmen.

Diese Studie schließt eine Lücke, indem sie die Ausbreitungseffekte durch Produktionsnetzwerke untersucht.

Die empirische Analyse basiert auf einzigartigen belgischen Produktionsnetzwerkdaten, die Käufer-Lieferanten-Beziehungen nahezu aller Firmen im Zeitraum 2002–2021 erfassen.

Diese Daten werden mit Informationen über belgische PE-Deals und Firmenbilanzen verknüpft.

Die Forscher verwenden einen gematchten Difference-in-Differences-Ansatz, um die Entwicklung von Lieferanten mit und ohne PE-gestützte Kunden vor und nach den Buyouts zu vergleichen.

Mehr als nur eine Randnotiz

Diese Studie liefert entscheidende Einblicke in die oft übersehenen Spillover-Effekte von Private-Equity-Transaktionen auf Lieferketten.

Sie zeigt, dass die Wertschöpfung von PE-Investoren weitreichende Konsequenzen für das gesamte Produktionsnetzwerk hat und nicht isoliert betrachtet werden kann.

Regulierungsbehörden müssen bei der Bewertung von PE-Deals daher die breiteren Implikationen für Wettbewerb und Lieferkettenresilienz berücksichtigen.

Quelle: The supply chain spillovers of private equity buyouts

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