Handelskriege: Drittstaaten-Gewinne sind fragil und reversibel
Eine neue Studie der EZB zeigt: Handelskriege zwischen den USA und China betreffen Drittstaaten wie die Eurozone. Anfängliche Vorteile durch Handelsumlenkung kehren sich um, sobald Zölle ausgeweitet werden.
Das Trugbild der Drittstaaten-Gewinne
Drei Ökonomen der EZB haben in einem komplexen Drei-Länder-New-Keynesianischen Modell die Auswirkungen der US-China-Zolleskalation von 2025 auf Drittstaaten, insbesondere die Eurozone, quantifiziert.
Das Modell berücksichtigt den Handel mit End- und Zwischengütern, unvollständige Finanzmärkte und asymmetrische geldpolitische Regime.
Die Analyse zeigt, dass ein bilateraler Handelskrieg zwischen den USA und China, bei dem die USA ihre Zölle auf chinesische Waren um fast 37 Prozentpunkte und China seine Zölle auf US-Waren um rund 11 Prozentpunkte erhöhten, große und asymmetrische Wohlfahrtsverluste für die beiden Protagonisten verursacht.
Die Eurozone hingegen profitiert zunächst nur marginal und temporär von Handelsumlenkungen, da die Nachfrage auf ihre Produzenten umgeleitet wird.
Diese anfänglichen Gewinne verblassen jedoch rasch, sobald die globale Nachfrage schwächer wird und die Übertragungseffekte greifen.
Wenn Zölle die Eurozone erreichen
Die anfänglichen Vorteile für Drittstaaten erweisen sich als fragil.
Sobald die Zölle auf Waren aus der Eurozone ausgeweitet werden, kehrt sich die Wohlfahrt der Eurozone in Verluste um, und die Wirtschaftsaktivität kontrahiert.
Der dämpfende Effekt der Handelsumlenkung verschwindet vollständig.
Gleichzeitig vertieft sich der Abschwung in China weiter, während die USA nur begrenzte zusätzliche Wohlfahrtsverbesserungen durch Zolleinnahmen und Terms-of-Trade-Effekte verzeichnen.
Die Studie betont, dass die globalen Auswirkungen der Handelspolitik intrinsisch multilateral sind und nicht aus einer Zwei-Länder-Analyse abgeleitet werden können.
Kurzsichtige Strategien, globale Verlierer
Wohlfahrtsmaximierende Vergeltungszölle der Eurozone liefern nur bescheidene inländische Verbesserungen, gehen aber auf Kosten großer zusätzlicher Verluste für die USA und China.
Drittstaaten-Gewinne unter bilateralem Protektionismus sind kurzlebig und kehren sich um, sobald der Protektionismus breiter wird.
Die globale Inzidenz der Handelspolitik ist demnach zutiefst multilateral, und einseitige Strategien führen zu einem Nettoverlust für alle Beteiligten.
Quelle: The third-country effects of trade wars
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