EU-Bankenkapital: Basel-Regeln umgesetzt, US-Vergleich zeigt Nuancen
Ein EZB-Papier bewertet den EU-Bankenkapitalrahmen. Es quantifiziert die Auswirkungen EU-spezifischer Regeln und vergleicht die Anforderungen mit denen der USA.
Basel-Standards prägen EU-Kapital
Ein aktuelles EZB-Papier beleuchtet den EU-Bankenkapitalrahmen und dessen Umsetzung der internationalen Basel-Standards.
Die Autoren quantifizieren den Kapitaleffekt EU-spezifischer Regulierungsentscheidungen, aufsichtsrechtlicher Maßnahmen und makroprudenzieller Politiken.
Die Analyse granularer Aufsichtsdaten signifikanter Institute unter dem Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) zeigt, dass der Großteil der EU-Kapitalanforderungen aus den präskriptiven Säule-1-Komponenten der Basel-Standards resultiert.
Auch nicht-präskriptive Basel-Elemente, die auf EU-Ebene kalibriert werden, tragen erheblich bei.
Sogenannte „Super-Äquivalenzen“, die strenger als Basel sind, und „Abweichungen“, die weniger streng sind, haben hingegen einen begrenzteren Einfluss.
Das Papier widerlegt die Behauptung, dass EU-Anforderungen systematisch strenger ("gold-plated") als die Basel-Standards seien.
Es betont die Vorteile eines globalen „Level Playing Field“ durch konsistente Umsetzung internationaler Standards, anstatt Wettbewerbsvorteile durch eine Lockerung der Regulierungsstandards zu suchen, was die Finanzstabilität untergraben könnte.
Die Studie verfolgt auch die Entwicklung der Kapitalquoten und -anforderungen seit Beginn des SSM, wobei die Banken starke Kapitalpositionen aufgebaut haben.
US-Regeln: Strenger für Große, lockerer für Kleine
Das Papier führt einen modellbasierten Kontrafakt-Vergleich mit den US-amerikanischen Aufsichtsregeln durch.
Die Ergebnisse zeigen, dass für die größten EU-Banken, die international konkurrieren, die aktuellen US-Regeln strengere Kapitalanforderungen mit sich bringen würden.
Dies liegt insbesondere am strengeren US-Ansatz für die Festlegung von Puffern für global systemrelevante Banken sowie an den gesetzlichen Beschränkungen für die Nutzung interner Modelle.
Im Gegensatz dazu wären mittelgroße EU-Banken unter dem derzeitigen US-Rahmen weniger strengen Anforderungen unterworfen.
Dies ist auf das Fehlen äquivalenter Mechanismen zu bestimmten EU-Kapitalaufschlägen im US-Rahmen sowie auf die US-Praxis zurückzuführen, den antizyklischen Kapitalpuffer auf null zu setzen.
Die Autoren mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation dieser Ergebnisse, da Datenbeschränkungen, methodische Annahmen und strukturelle Unterschiede zwischen den Bankensystemen der EU und der USA berücksichtigt werden müssen.
Stabilität vor Wettbewerbsvorteil
Die Studie bestätigt, dass die EU ihre Hausaufgaben bei der Umsetzung der Basel-Standards gemacht hat, ohne dabei systematisch über das Ziel hinauszuschießen.
Gleichzeitig offenbart der Vergleich mit den USA, dass die globale Harmonisierung noch immer Nuancen aufweist, die für Banken unterschiedlicher Größe erhebliche Auswirkungen haben können.
Für die Finanzstabilität ist die konsequente Einhaltung internationaler Standards entscheidend, auch wenn dies kurzfristig als Wettbewerbsnachteil wahrgenommen werden mag.