Ältere Arbeitnehmer stützen Beschäftigungswachstum
Ältere Arbeitnehmer tragen maßgeblich zum Beschäftigungswachstum im Euroraum bei. Eine EZB-Analyse zeigt, dass spätere Renteneintritte der Haupttreiber sind.
Ältere Arbeitnehmer als Job-Motor
Die Erwerbstätigenquote im Euroraum stieg seit dem ersten Quartal 2022 um 1,7 Prozentpunkte auf rund 62 Prozent Ende 2025.
Eine EZB-Analyse zeigt, dass ältere Arbeitnehmer maßgeblich zu diesem Wachstum beitragen: Personen im Alter von 55 bis 74 Jahren, die 2022 nur 34 Prozent der Erwerbsbevölkerung ausmachten, steuerten 1,4 Prozentpunkte zum Anstieg der Gesamtbeschäftigungsquote bei.
Im Gegensatz dazu war der Beitrag der 15- bis 24-Jährigen null und der der 25- bis 54-Jährigen mit 0,7 Prozentpunkten geringer.
Der reine Zusammensetzungseffekt der Alterung der Bevölkerung war mit nur -0,4 Prozentpunkten relativ gering.
Mehr als 90 Prozent des Anstiegs der Erwerbstätigenquote bei älteren Arbeitnehmern ist auf eine höhere Partizipationsrate in dieser Gruppe zurückzuführen, nicht auf einen höheren Anteil aktiver Personen in Beschäftigung.
Der jüngste Anstieg der Erwerbsbeteiligung spiegelt einen Rückgang des Anteils der Rentner wider, insbesondere bei den 60- bis 65-Jährigen.
Dies ist auf weniger Übergänge in den Ruhestand zurückzuführen, nicht auf mehr Rückkehrer aus der Inaktivität.
Struktureller Wandel statt Politik-Effekt
Der Anstieg des tatsächlichen Renteneintrittsalters von durchschnittlich 0,5 Jahren im Euroraum zwischen 2022 und 2024 lässt sich nur teilweise durch Änderungen der gesetzlichen Rentenalter erklären.
Die Analyse zeigt, dass ein Anstieg des gesetzlichen Rentenalters um ein Jahr lediglich mit einem Anstieg des effektiven Rentenalters um 0,1 Jahre verbunden war, was statistisch nicht signifikant ist.
Dies deutet darauf hin, dass die jüngsten gesetzlichen Anpassungen nur eine begrenzte Rolle für spätere Renteneintritte spielten.
Vielmehr handelt es sich um einen strukturellen, langfristigen Trend.
Der Anteil der Rentner an der Gesamtbevölkerung ist seit 2006 stetig gesunken.
Im Vergleich zu Japan, das einen extremen Alterungsprozess durchlaufen hat, weist der Euroraum noch erhebliches Potenzial für höhere Erwerbstätigenquoten bei älteren Arbeitnehmern auf.
Dort liegen die Quoten bei 60-64-Jährigen bei 74 Prozent und bei 65-69-Jährigen bei 54 Prozent, während sie im Euroraum bei 53 bzw. 19 Prozent liegen.
Demografie als Chance für den Arbeitsmarkt
Die Studie beleuchtet eine wichtige Entwicklung, die oft als Belastung wahrgenommen wird: die Alterung der Gesellschaft.
Sie zeigt, dass die demografische Verschiebung auch eine Chance für den Arbeitsmarkt birgt, indem ältere Arbeitnehmer länger aktiv bleiben.
Für die Geldpolitik bedeutet dies, dass der Arbeitsmarkt widerstandsfähiger sein könnte als bisher angenommen, was den Inflationsdruck dämpfen könnte.