Regionale Daten: Phillips-Kurve im Euroraum flacher, Erwartungen prägen Inflation
Eine neue EZB-Studie zeigt: Die Phillips-Kurve im Euroraum ist flacher als bisher angenommen und wird maßgeblich von Inflationserwartungen geprägt. Traditionelle geldpolitische Maßnahmen haben dadurch begrenzte direkte Effekte auf die Inflation.
Regionale Daten decken neue Realität auf
Eine neue EZB-Studie liefert frische Erkenntnisse zur Phillips-Kurve im Euroraum, indem sie ein umfangreiches Datenset von 168 Regionen aus elf Ländern des Euroraums von 1999 bis 2023 nutzt.
Dieser regionale Ansatz bietet einen entscheidenden Vorteil: eine wesentlich höhere Datenvariation, die hilft, die Beziehung zwischen Inflation und wirtschaftlicher Auslastung präziser zu identifizieren.
Die Analyse verwendet regionale Arbeitslosenquoten als Maß für die wirtschaftliche Auslastung und den BIP-Deflator für regionale Preisänderungen.
Durch die Kontrolle zeitlich invarianter regionaler Merkmale und gemeinsamer Schocks für alle Euroraum-Regionen isolieren die Forscher die regionalspezifische Beziehung.
Sie finden eine Steigung von -0,19, was auf eine anhaltende Reaktion der Inflation auf Änderungen der regionalen Arbeitslosigkeit hindeutet.
Dieser Wert ist deutlich größer als die -0,01 Steigung, die in vergleichbaren Studien auf Länderebene gefunden wurde, und unterstreicht den Wert regionaler Daten.
Der stille Einfluss der Erwartungen
Die Studie zeigt, dass die Beziehung zwischen Inflation und Arbeitsmarkt deutlich schwächer wird, sobald nationale Inflationserwartungen einbezogen werden.
Bei expliziter Berücksichtigung professioneller Prognosen flacht die Phillips-Kurve merklich ab; die Inflationsreaktion auf Arbeitslosigkeit sinkt um etwa ein Drittel.
Werden breitere nationale Inflationserwartungen über länderspezifische Zeit-Fixeffekte erfasst, nähert sich die Steigung der Phillips-Kurve von -0,19 auf -0,02. Dies unterstreicht die zentrale Rolle von Inflationserwartungen für eine präzise Schätzung der Kurve.
Auch scheinbare Nichtlinearitäten der Phillips-Kurve verschwinden weitgehend, wenn Inflationserwartungen adäquat berücksichtigt werden, was darauf hindeutet, dass diese eher Erwartungsverschiebungen als fundamentale Änderungen widerspiegeln.
Erwartungen als neuer Anker
Eine flachere Phillips-Kurve bedeutet, dass Zinsanpassungen nur begrenzte direkte Effekte auf die Inflation über den Nachfragekanal haben.
Dies reduziert die Wirksamkeit traditioneller geldpolitischer Instrumente und stellt die Zentralbanken vor größere Herausforderungen.
Daher wird die Verankerung von Inflationserwartungen durch eine glaubwürdige Geldpolitik zum entscheidenden Hebel für eine effektive Transmission.