KI-Nutzung: Was Intensivanwender von anderen unterscheidet
Die Akzeptanz von Künstlicher Intelligenz steigt rasant, doch die transformative Intensivnutzung bleibt selten. Ein EZB-Blogbeitrag beleuchtet, welche Faktoren Unternehmen zu intensiven KI-Anwendern machen und wie sie die Technologie tief in ihre Prozesse integrieren.
Seltene Intensivnutzung trotz hoher Akzeptanz
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) wird als Treiber des Produktivitätswachstums gefeiert, doch die bloße Implementierung garantiert keine messbaren Effizienzsteigerungen.
Entscheidend ist der Einsatz in Kernprozessen, der mehr Wert generiert als die Beschränkung auf periphere Aufgaben.
Intensive Nutzung, die über gelegentliche Anwendung hinausgeht und mit Innovation sowie der Erweiterung von Produkten und Dienstleistungen verbunden ist, fördert Produktivität und Wirtschaftswachstum.
Bislang nutzen jedoch nur sehr wenige Unternehmen im Euroraum KI intensiv.
Die ECB-Umfrage SAFE zeigt, dass die KI-Verbreitung schnell zunimmt – im letzten Quartal 2025 nutzten über 70 Prozent der Firmen KI.
Gleichzeitig berichten die meisten Unternehmen nur von seltener oder moderater Nutzung; lediglich 7 Prozent sind intensive Anwender.
Unterschiede bestehen nach Ländern, Sektoren und Unternehmensgröße.
Während die Wahrscheinlichkeit der KI-Einführung mit der Unternehmensgröße steigt, ist die Intensivnutzung bei kleineren und jüngeren Firmen relativ häufiger.
Besonders ausgeprägt ist sie im Dienstleistungssektor, insbesondere in technologie- und wissensintensiven Bereichen wie dem IKT-Sektor.
Intensive Nutzer sind zudem häufiger durch Wachstums- und Innovationsziele motiviert, während moderate Anwender eher Kostensenkungen und operative Effizienz anführen.
Der Druck der Konkurrenz als Motor
Jenseits von Unternehmens- und Sektorfaktoren zeigt die SAFE-Umfrage, dass der Wettbewerbsdruck ein wesentlicher Treiber für die intensive KI-Nutzung ist.
Unternehmen, die ihre Konkurrenten in KI investieren sehen, befürchten einen potenziellen Wettbewerbsnachteil und intensivieren daher ihre eigene Nutzung.
Ein ähnliches Muster zeigt sich bei den Erwartungen an die zukünftige Verbreitung von KI-Investitionen.
Dieser Peer-Pressure-Effekt wird hauptsächlich von etablierten Unternehmen getragen, die sich durch technologisch fortschrittliche junge Firmen sowie durch leistungsstarke Wettbewerber bedroht fühlen.
Der Effekt ist besonders ausgeprägt in den IKT- und professionellen Dienstleistungssektoren, die sich durch einen hohen Anteil junger und wachstumsstarker Unternehmen sowie eine starke Präsenz technologisch fortschrittlicher ausländischer Wettbewerber auszeichnen.
In diesen dynamischen und wettbewerbsintensiven Umfeldern sind etablierte Unternehmen gezwungen, fortschrittliche Technologien wie KI intensiv einzusetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Intensive KI-Nutzung erfordert zudem umfassendere Finanzierungen, da die Integration in Kernprozesse oft größere und langfristigere Restrukturierungen mit sich bringt, die nicht leicht über kurzfristige Instrumente finanzierbar sind.
Hürden für die Transformation
Die Studie unterstreicht die Dringlichkeit gezielter Politikmaßnahmen, um die Kluft zwischen einfacher Akzeptanz und transformativer Intensivnutzung zu schließen.
Ohne breitere Finanzierungsoptionen und massive Investitionen in Qualifizierung wird das makroökonomische Produktivitätspotenzial von KI ungenutzt bleiben.
Es ist eine kollektive Aufgabe, die technologischen Hürden zu überwinden und Unternehmen zur vollen Ausschöpfung der KI-Vorteile zu befähigen.