Krypto-Besitzer und -Zahler im Euroraum: Profile und Bargeld-Interaktion
ECB Paper Read in English

Krypto-Besitzer und -Zahler im Euroraum: Profile und Bargeld-Interaktion

Eine neue Studie der EZB analysiert Krypto-Besitz und -Nutzung im Euroraum. Sie zeigt, dass Krypto-Besitzer und -Zahler unterschiedliche Profile aufweisen und die Beziehung zu Bargeld komplex ist.

Zwei Profile, eine Währung?

Eine umfassende Umfrage unter fast 40.000 Erwachsenen in 17 Euro-Ländern zeigt: Krypto-Besitzer und jene, die Krypto für Zahlungen nutzen, haben klar unterschiedliche Profile.

Typische Krypto-Besitzer sind jünger, männlich und finanziell aktiv.

Sie schätzen sowohl die Privatsphäre von Bargeld als auch die Geschwindigkeit von Kartenzahlungen.

Die kleinere Gruppe der Krypto-Zahler hingegen ist stark bargeldzentriert; sie suchen digitale Instrumente, die die Privatsphäre und Benutzerfreundlichkeit von physischem Bargeld nachbilden.

Die Studie widerlegt die Annahme, dass frühe Krypto-Nutzer Bargeld ablehnen: In normalen Zeiten sind Krypto-Besitzer sogar eher geneigt, Bargeldreserven zu halten.

Dies deutet darauf hin, dass Krypto und Bargeld im Portfolio komplementär wirken.

Doch unter Stressbedingungen kehrt sich dieses Verhältnis um, was auf einen Substitutionseffekt hindeutet.

Bargeld als sicherer Hafen in Krisenzeiten

Die Studie nutzt die COVID-19-Pandemie als natürliches Experiment, um den kausalen Zusammenhang zwischen Bargeldbeständen und Krypto-Besitz zu untersuchen.

Es zeigte sich, dass der Aufbau vorsorglicher Bargeldpuffer während der Pandemie die Wahrscheinlichkeit des Krypto-Besitzes um etwa 10 Prozentpunkte senkte.

Dies belegt einen Substitutionseffekt unter Unsicherheit: In Krisenzeiten fliehen Haushalte in die Sicherheit von Zentralbank-Bargeld.

Diese Erkenntnisse erklären das 'Bargeld-Paradoxon' und legen eine zweigleisige Regulierung nahe.

Für die Mehrheit der Krypto-Besitzer, die als Investoren agieren, ist Anlegerschutz prioritär.

Für Krypto-Zahler und das Design eines digitalen Euro sind bargeldähnliche Eigenschaften wie Privatsphäre und Einfachheit entscheidend.

Die Autoren bezweifeln zudem, dass Krypto-Assets die Kriterien einer Währung erfüllen.

Mehr als nur eine Randnotiz

Diese Studie liefert wichtige empirische Belege für die Komplexität des Krypto-Marktes und die anhaltende Relevanz von Bargeld.

Sie zwingt die Politik, über vereinfachte Narrative hinauszugehen und differenzierte Regulierungsansätze für verschiedene Nutzertypen zu entwickeln.

Insbesondere die Erkenntnisse zur Bargeldnachfrage in Krisenzeiten sind ein klares Signal für die Bedeutung eines resilienten Finanzsystems.