DeFi-Governance stark konzentriert – Regulierung vor Herausforderungen
Eine neue Studie der EZB-Ökonomen Alexandra Born, Zakaria Gati, Claudia Lambert, Mahvish Naeem und Antonella Pellicani zeigt: Die Governance in Decentralised Finance (DeFi) ist entgegen der Annahme stark konzentriert. Dies erschwert die Regulierung des schnell wachsenden Kryptosegments.
DeFi-Macht bei wenigen Akteuren gebündelt
Die Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) widerlegt die Annahme, dass Decentralised Finance (DeFi) per se dezentralisiert ist.
Eine Analyse von vier führenden Protokollen (Aave, MakerDAO, Ampleforth, Uniswap) zeigt eine hohe Konzentration von Governance-Token-Beständen.
Über 80 Prozent der Token werden von den Top 100 Adressen gehalten.
Diese Bestände sind oft den Protokollen selbst oder zentralisierten und dezentralisierten Krypto-Börsen zuzuordnen.
Die Forscher betonen, dass die genaue Identifizierung der dahinterstehenden Akteure, wie Gründer oder Entwickler, mit öffentlich verfügbaren Daten nicht immer möglich ist.
Dies stellt eine erhebliche Hürde für Regulierungsbehörden dar, die nach klaren Ankerpunkten für die Aufsicht suchen.
Die Konzentration der Governance-Macht bleibt zudem über die Zeit stabil, was die strukturellen Herausforderungen unterstreicht.
Anonyme Delegierte erschweren Rechenschaft
Ein weiteres zentrales Ergebnis ist die Rolle von Delegierten bei Abstimmungen.
Die meisten Top-Wähler sind Delegierte, die Stimmrechte kleinerer Token-Inhaber bündeln und deren Einfluss verstärken.
Die Identifizierung dieser Delegierten ist aufgrund der pseudonymen Natur von Blockchain-Adressen oft nicht möglich; rund ein Drittel der Top-Wähler konnte nicht zugeordnet werden.
Diese mangelnde Transparenz erschwert die Zuweisung von Rechenschaftspflicht und verstärkt Bedenken hinsichtlich der Machtkonzentration.
Obwohl Rahmenwerke wie die MiCA-Verordnung der EU und das FSB-Framework für Krypto-Assets existieren, bleibt die Anwendung auf DeFi aufgrund seiner Struktur und Anonymität eine Herausforderung.
Regulierungs-Ankerpunkte in der Grauzone
Die EZB-Studie liefert eine wichtige empirische Basis für die Debatte um die Regulierung von DeFi.
Sie zeigt klar auf, dass die vermeintliche Dezentralisierung eine Illusion ist und die Identifikation relevanter Akteure eine Herkulesaufgabe bleibt.
Für Aufsichtsbehörden bedeutet dies, dass traditionelle Ankerpunkte wie Token-Halter oder Börsen ohne weitere Informationen oft ins Leere laufen.