Apps verändern Zinspolitik: Digitalbanken reagieren anders
Digitalbanken geben Zinsänderungen anders weiter als traditionelle Institute. Sie passen Einlagenzinsen schneller an, Kreditzinsen jedoch langsamer, was die geldpolitische Transmission beeinflusst.
Das Paradox der Zinsweitergabe
Die Digitalisierung verändert die Art und Weise, wie Banken geldpolitische Impulse weitergeben.
Eine Analyse der EZB zeigt: Im Vergleich zu Filialbanken passen Digitalbanken die Preise für Einlagen schneller an Zinsänderungen an, sind aber bei der Aktualisierung ihrer Kreditpreise langsamer.
Während der Straffungsphase 2022-23 erhöhten Digitalbanken die Einlagenzinsen schneller und stärker, um Kundengelder zu halten.
Gleichzeitig hoben sie die Kreditzinsen nicht stärker an als ihre Wettbewerber, was ihre Margen komprimierte und das Kreditwachstum verlangsamte.
Erste Erkenntnisse aus der Lockerungsphase 2024-25 deuten auf eine teilweise Umkehr hin, bei der Digitalbanken Einlagenzinsen für Neukunden schneller senken.
Fünf Erkenntnisse aus dem Euro-Raum
Die Untersuchung basiert auf Daten von über 170 Digitalbanken im Euro-Raum von 2016 bis 2025.
Erstens passen Digitalbanken die Einlagenpreise schneller an, da die App-basierte Natur des Bankings Such- und Wechselkosten für Kunden senkt.
Zweitens sind ihre Kreditzinsen weniger reaktionsschnell; trotz höherer Refinanzierungskosten stiegen die Kreditzinsen ähnlich wie bei traditionellen Banken.
Drittens erfolgte die Anpassung während der Straffung hauptsächlich über höhere Einlagenzinsen, nicht über Volumenänderungen.
Viertens verlangsamten Digitalbanken ihr Kreditwachstum stärker als ihre Wettbewerber, da die Margen unter Druck gerieten.
Fünftens erfolgt die Transmission auf der Refinanzierungsseite auch in der Lockerungsphase früher, wobei die Einlagenzinsen schneller fielen, die Kreditzinsen jedoch 'klebrig' blieben.
Profitabilität unter Druck
Die zunehmende Digitalisierung des Bankensektors birgt neue Risiken für die Finanzstabilität.
Komprimierte Margen während der Straffung, die sich in der Lockerungsphase nur verzögert erholen, können die Profitabilität von Digitalbanken erheblich belasten.
Dies erfordert eine engere Überwachung der Zusammensetzung und Stabilität der Refinanzierung durch die Bankenaufsicht.
Stresstests müssen künftig den Druck auf die Margen bei schneller Einlagenrepricing sowie die Absorptionsfähigkeit der Banken berücksichtigen.