Institutionelle Qualität erklärt Europas Rückstand in High-Tech-Sektoren
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Institutionelle Qualität erklärt Europas Rückstand in High-Tech-Sektoren

Eine neue EZB-Studie zeigt, dass Europas Rückstand in High-Tech-Sektoren eng mit der institutionellen und regulatorischen Qualität zusammenhängt. Eine Verbesserung auf das Niveau der EU-Spitzenreiter könnte den Investitionsanteil in diesen Sektoren um bis zu 50 Prozent steigern.

Institutionelle Hürden bremsen High-Tech-Investitionen

Seit Mitte der 1990er Jahre verzeichnet die Europäische Union (EU) ein langsameres Produktivitätswachstum als die USA.

Dieser Rückstand ist eng mit einer Innovationslücke verbunden, da die USA Investitionen in innovative High-Tech-Sektoren wie Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), Künstliche Intelligenz (KI) und Biotechnologie priorisieren, während Europa sich auf traditionelle Mid-Tech-Sektoren konzentriert.

Eine neue EZB-Studie von Jonathan Bothner, Paloma Lopez-Garcia, Daphne Momferatou und Ralph Setzer untersucht, wie institutionelle Governance, Arbeitsmarkt- und Geschäftsregulierungen Investitionen in diesen zukunftsweisenden Branchen beeinflussen.

Die Analyse von Daten aus 25 EU-Ländern von 2004 bis 2019 (für KI-Analysen bis 2023) zeigt, dass High-Tech-Sektoren aufgrund ihrer inhärent hohen Risiken und Unsicherheiten besonders anfällig für bürokratische Hürden sind.

Starre Arbeitsmarktgesetze und ineffiziente Institutionen erhöhen die Kosten für Misserfolge und Umstrukturierungen unverhältnismäßig, was Investitionen abschreckt.

Regulierungsreformen als Wachstumstreiber

Die Ergebnisse der Studie sind konsistent: Eine höhere institutionelle Qualität und geringere regulatorische Barrieren korrelieren mit gesteigerten Investitionen in High-Tech-, innovative und KI-intensive Sektoren.

Die Forscher schätzen, dass eine Anhebung der institutionellen und regulatorischen Qualität aller EU-Länder auf das Niveau des besten EU-Landes den Investitionsanteil in High-Tech-Sektoren um bis zu 7,9 Prozentpunkte, also rund 50 Prozent, steigern könnte.

Dies würde die Investitionslücke zu den USA um fast den gleichen Umfang verringern.

Für KI-intensive Sektoren könnte der Anstieg des Investitionsanteils über 7 Prozentpunkte erreichen.

Die Studie unterstreicht die Bedeutung von Reformen zur Stärkung der Governance, zur Reduzierung von Korruption und zur Vereinfachung von Unternehmensgründungen.

Europas Innovationsbremse identifiziert

Diese Studie liefert eine fundierte empirische Basis für eine seit Langem geführte Debatte über Europas Innovationsschwäche.

Die identifizierten institutionellen und regulatorischen Hürden sind zwar bekannt, doch die Quantifizierung ihres Einflusses auf High-Tech-Investitionen ist ein starkes Argument für Reformen.

Die Umsetzung der notwendigen Schritte, insbesondere in Bezug auf Arbeitsmarktflexibilität und Bürokratieabbau, bleibt jedoch eine erhebliche politische Herausforderung.