US-Behörden schlagen umfassende Kapitalreform vor
Die US-Bankenaufsichtsbehörden Federal Reserve (Fed), Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und Office of the Comptroller of the Currency (OCC) haben drei Vorschläge zur Modernisierung des regulatorischen Kapitalrahmens für Banken aller Größen vorgelegt. Stellungnahmen zu den weitreichenden Änderungen sind bis zum 18. Juni 2026 möglich.
Vereinfachung und Risikosensitivität für Großbanken
Die ersten beiden Vorschläge zielen auf eine umfassende Modernisierung der Risikokapitalanforderungen ab.
Für Banken der Kategorien I und II wird ein 'erweiterter risikobasierter Ansatz' eingeführt, der Anforderungen für Kredit-, operationelle, Markt- und CVA-Risiken bündelt und den bisherigen Standardansatz sowie die Advanced Approaches ersetzt.
Banken mit signifikanten Handelsaktivitäten unterliegen künftig dem Marktrisikorahmen.
Gleichzeitig werden im Standardansatz die Risikogewichte für bestimmte Engagements kalibriert und risikosensitiver gestaltet.
So erhalten Hypotheken-Servicing-Assets (MSA) einen Risikogewicht von 250 Prozent.
Unternehmensengagements werden von 100 auf 95 Prozent und alle nicht spezifisch zugewiesenen Vermögenswerte von 100 auf 90 Prozent reduziert.
Zudem sollen Banken der Kategorien III und IV künftig die meisten Elemente des 'Accumulated Other Comprehensive Income' (AOCI) im regulatorischen Kapital berücksichtigen, mit einer fünfjährigen Übergangsfrist.
Dollarbasierte Schwellenwerte werden inflationsbereinigt.
Risikosensitiverer GSIB-Zuschlag
Der dritte Vorschlag der Federal Reserve konzentriert sich auf die Verbesserung des GSIB-Zuschlags für global systemrelevante Banken.
Die Koeffizienten der Methode 2 zur Berechnung des Zuschlags werden angepasst und künftig automatisch an Wirtschaftswachstum und Inflation angepasst.
Um die Ausrichtung am systemischen Risiko zu verbessern, wird der Nenner der risikogewichteten Aktiva aus dem Indikator für kurzfristige Wholesale-Finanzierungen entfernt und dessen Gewicht auf 20 Prozent neu kalibriert.
Systemische Indikatoren sollen zudem als Jahresdurchschnitt statt als Stichtagswert berechnet werden, um Anreize für temporäre Anpassungen zu reduzieren.
Die Zuschläge werden künftig in Schritten von 10 Basispunkten statt 50 Basispunkten zugewiesen, um die Sensitivität gegenüber Änderungen im Risikoprofil zu erhöhen.
Mehr Risikosensitivität, mehr Komplexität?
Die vorgeschlagenen Änderungen versprechen eine verbesserte Risikosensitivität und eine längst überfällige Modernisierung des Kapitalrahmens.
Die Detailtiefe der neuen Ansätze könnte jedoch die Komplexität für die betroffenen Banken erhöhen.
Es bleibt abzuwarten, ob die angestrebte Vereinfachung tatsächlich erreicht wird oder ob die regulatorische Last insgesamt zunimmt.