Barr: Deregulierung im Boom erhöht Finanzrisiken
Fed-Gouverneur Michael S. Barr warnt vor einer gefährlichen Deregulierung des Bankensektors. Er befürchtet, dass die jüngsten Schritte die Finanzstabilität gefährden.
Kapitalpuffer schrumpfen um 60 Milliarden Dollar
Fed-Gouverneur Michael S. Barr kritisiert die erhebliche Schwächung der Bankenregulierung durch die Federal Reserve (Fed) und andere Aufsichtsbehörden.
Er befürchtet, dass die Reduzierung der Kapitalanforderungen die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems untergräbt.
Konkret bemängelt er die Abschwächung der Banken-Stresstests, die Erosion der Leverage Ratio für Großbanken und die unzureichende Umsetzung des internationalen Basel-III-Abkommens.
Auch der GSIB-Zuschlag für die größten systemrelevanten Banken wurde reduziert.
In Summe führen diese deregulatorischen Schritte zu einer Senkung des erforderlichen Kapitals für die größten Banken um 6 Prozent.
Dies entspricht 60 Milliarden Dollar weniger Schutz gegen potenzielle Bankenausfälle und Instabilität, die sich im Finanzsystem ausbreiten könnte.
Barr warnt, dass diese Abweichung von international vereinbarten Standards einen gefährlichen 'Wettlauf nach unten' bei den Kapitalanforderungen auslösen und die globale Finanzstabilität bedrohen könnte.
Lockerere Aufsicht, weniger Verbraucherschutz
Parallel zur Reduzierung der Kapitalanforderungen schwächelt laut Barr auch die Bankenaufsicht.
Er kritisiert eine 'Noteninflation' im Bewertungssystem der 36 größten Finanzinstitute, die es schlecht geführten Banken erlaubt, als gut gemanagt zu gelten.
Weniger Gewicht auf Risikomanagement und eine Halbierung der 'matters requiring attention' bei Großbanken Ende 2025 sind weitere Indikatoren.
Barr erwartet zudem eine Schwächung der Liquiditätsanforderungen, was Bank-Runs wahrscheinlicher machen könnte.
Auch der Verbraucherschutz durch das Consumer Financial Protection Bureau (CFPB) nimmt ab.
Laxer Schutz begünstigte vor der globalen Finanzkrise Betrug und räuberische Kreditvergabe, was zu verheerenden Schäden führte.
Kurzfristiger Zuckerrausch, langfristige Kosten
Die Deregulierung im Finanzsektor birgt erhebliche Risiken, die sich erst langfristig manifestieren.
Kurzfristige Vorteile wie mehr Kreditvergabe werden durch die hohen Kosten potenzieller Krisen weit übertroffen.
Die Geschichte lehrt uns, dass eine Reduzierung der Regulierung oft zu Finanzstress und Wachstumseinbußen führt, weshalb Barr vor einer gefährlichen 'Unterversicherung' warnt.