Barr: Fed-Bilanz-Schrumpfung gefährdet Stabilität
Michael S. Barr, Mitglied des Federal Reserve Board, warnt vor den negativen Folgen einer Reduzierung der Fed-Bilanz. Er argumentiert, dass solche Vorschläge die Bankenresilienz und die Funktion der Geldmärkte untergraben und die Finanzstabilität gefährden würden.
Jenseits der Bilanzsumme: Ein ganzheitlicher Blick
Barr kritisiert die aktuelle Debatte um die Reduzierung der Fed-Bilanz als falsches Ziel.
Er betont, dass der 'Fußabdruck' der Fed im Finanzsystem nicht nur die Größe der Bilanz umfasst, sondern auch ihre Rollen bei der Förderung der Sicherheit und Solidität von Banken, dem Betrieb des Zahlungssystems und der Unterstützung der Finanzstabilität.
Vorschläge zur Bilanzschrumpfung würden diese Kernfunktionen untergraben und könnten paradoxerweise den Einfluss der Fed in den Finanzmärkten sogar erhöhen, etwa durch häufigere Interventionen.
Barr plädiert für ein ganzheitliches Verständnis der Zentralbanktätigkeit, die Geldpolitik, Finanzinstitutsaufsicht, Zahlungssysteme und die Rolle als Fiskalagent des Finanzministeriums integriert.
Änderungen müssen Spillover-Effekte auf andere Aufgaben berücksichtigen.
Reserven als Stabilitätsanker
Die Fed betreibt Geldpolitik in einem Regime mit reichlichen Reserven, wobei der Leitzins primär durch den Zins auf Reserveguthaben (IORB) gesteuert wird.
Reserven, die derzeit 3 Billionen Dollar der 6,5 Billionen Dollar an Fed-Verbindlichkeiten ausmachen, sind laut Barr das sicherste und liquideste Asset im Finanzsystem.
Ihre ausreichende Bereitstellung ist essenziell für die Sicherheit des Bankensystems, die Effizienz des Zahlungssystems und die Stabilität der Wirtschaft.
Ein Mangel an Reserven würde das Zahlungssystem beeinträchtigen und in Stresszeiten Panik auslösen.
Die Bereitstellung von Reserven ist für die Fed kostenneutral, da sie Zinsen auf Reserven zahlt, aber auch Zinsen auf ihre Vermögenswerte, hauptsächlich Staatsanleihen, erhält.
Überschüsse fließen an den Steuerzahler zurück.
Kurzsichtig und kontraproduktiv
Barrs Einschätzung ist eindeutig: Die Fixierung auf die Bilanzgröße ist eine Fehlleitung.
Viele der diskutierten Vorschläge sind nicht nur ineffizient, sondern auch gefährlich, da sie die Finanzstabilität gefährden und die Effektivität der Geldpolitik mindern würden.
Die Idee, ein 'kostenloses Gut' wie Reserven künstlich zu verknappen, entbehrt jeder ökonomischen Logik.
Stattdessen sollten die umfassenden Vorteile der Reservebereitstellung im Vordergrund stehen.