Barr: Investitionen in ländliche Gemeinden lohnen sich
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Barr: Investitionen in ländliche Gemeinden lohnen sich

Michael S. Barr, Mitglied des Board of Governors des Federal Reserve Systems, betont die Bedeutung von Investitionen in ländliche Gemeinden. Er hebt die Vielfalt der Herausforderungen und innovativen Lösungen in diesen Regionen hervor.

Innovation und Resilienz in ländlichen Regionen

Barr schildert seine Reisen durch ländliche Gemeinden, die ihm die einzigartigen Chancen und Herausforderungen dieser Gebiete vor Augen führten.

Er traf lokale Führungspersönlichkeiten und Finanzinstitute im Mississippi-Delta, wo er sah, wie eine Bank ihr Gebäude einer Community Development Financial Institution (CDFI) spendete, um den Zugang zu Bankdienstleistungen zu erhalten.

In Clarksdale wurde das Travelers Hotel mit New Markets Tax Credits saniert und trägt nun zum Aufschwung des Blues-Tourismus bei.

Barr sprach auch mit Vertretern der Confederated Salish and Kootenai Tribes in Montana über die Schwierigkeiten bei der Bereitstellung erschwinglicher Hypotheken auf Treuhandland und hörte in Nebraska von Landwirten und Ranchern über die Auswirkungen von Arbeitskräftemangel, Produktionskosten und Technologie.

Trotz dieser Hürden beobachtete er überall starke Beispiele für Resilienz und unternehmerischen Geist, von jungen Innovatoren bis hin zu Landwirten, die neue Märkte erschließen.

Diese Erfahrungen unterstreichen die Notwendigkeit flexibler Lösungen und die Bedeutung, erfolgreiche Ansätze zu teilen, um Wachstum und Chancen in ganz Rural America zu fördern.

Vielfältige Herausforderungen und externe Einflüsse

Ländliche Gemeinden sind zwar vielfältig, teilen aber gemeinsame strukturelle Herausforderungen, die ihre wirtschaftliche Revitalisierung erschweren.

Ein zentrales Problem ist der Bevölkerungsrückgang und die Überalterung: USDA-Daten von 2023 zeigen einen geringen Anteil an Erwachsenen im Haupterwerbsalter (25-54 Jahre), während die Zahl der über 65-Jährigen von 7,4 Millionen im Jahr 2010 auf 9,7 Millionen im Jahr 2023 anstieg.

Migration, insbesondere von im Ausland geborenen Personen, ist entscheidend geworden, da über 86 Prozent der wachsenden ländlichen Landkreise zwischen 2020 und 2025 auf Nettozuwanderung angewiesen waren.

Hinzu kommt der Verlust wichtiger Institutionen wie Banken und Krankenhäuser, der den Zugang zu Kapital und Dienstleistungen schwächt.

Langfristige Beschäftigungsrückgänge in der Landwirtschaft und im verarbeitenden Gewerbe, bedingt durch Automatisierung und Globalisierung, haben traditionelle Arbeitsplätze reduziert.

Auch der Mangel an bezahlbarem Wohnraum stellt eine große Hürde dar, da über ein Drittel der ländlichen Mieter überlastet ist.

Externe Entwicklungen wie sich schnell ändernde Handelspolitiken und geopolitische Ereignisse belasten ländliche Gebiete zusätzlich, insbesondere jene, die von Exporten landwirtschaftlicher Produkte abhängig sind.

So sanken die US-Sojaexporte nach China in den ersten drei Quartalen 2025 um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und Konflikte im Nahen Osten führten zu einem Preisanstieg von 55 Prozent bei Harnstoffdünger und 50 Prozent bei Diesel im letzten Jahr.

Ein Appell für gezielte Unterstützung

Barrs Rede ist ein wichtiger Appell, die Komplexität und Vielfalt ländlicher Gemeinden anzuerkennen und maßgeschneiderte Lösungen zu fördern.

Sie zeigt eindrücklich, wie lokale Initiativen und öffentliche-private Partnerschaften, insbesondere durch CDFIs, erfolgreich strukturelle Probleme angehen können.

Allerdings bleibt die Frage offen, welche konkreten neuen Instrumente die Federal Reserve selbst über die Beobachtung und Analyse hinaus zur Verfügung stellen kann, um diese Investitionen zu katalysieren.

Die Betonung von Resilienz und Innovation ist inspirierend, doch die systemischen Herausforderungen erfordern mehr als nur lokale Anpassung.

Quelle: Barr, Rural Communities: Worth the Investment

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