Bowman: Koordiniertes Vorgehen gegen Verbraucherbetrug nötig
Michelle W. Bowman, Vizevorsitzende für Aufsicht der Federal Reserve, sprach auf einem Symposium in Washington D.C. über den Schutz vor Verbraucherbetrug. Sie betonte die Notwendigkeit eines koordinierten Vorgehens angesichts der zunehmenden Bedrohung.
Betrug: Skala, Raffinesse, Systemrisiko
Verbraucherbetrug hat in Umfang, Raffinesse und Auswirkung eine neue Dimension erreicht.
Bowman beschrieb Szenarien, in denen Betrüger Kunden am Bankschalter per Telefon zu betrügerischen Transaktionen anleiten oder über soziale Medien und Textnachrichten Malware verbreiten.
Diese scheinbar authentischen Nachrichten und Links führen zu erheblichen finanziellen Schäden.
Für die Federal Reserve ist dies ein vorrangiges Thema, da Betrug die Integrität und Zuverlässigkeit des Finanzsystems bedroht.
Die Fed reguliert Banken und Zahlungsverkehr, und fast jeder Betrug betrifft ein Bankkonto oder ist mit einer Bankzahlung verbunden.
Betrugsverluste gehören zu den größten Ausgaben für Gemeinschaftsbanken und erreichen bei Großinstituten jährlich Hunderte Millionen Dollar.
Auch der Finanzstabilitätsrat (FSOC) hob in seinem Jahresbericht 2025 Bedenken hinsichtlich cybergestützten Betrugs hervor.
Die Daten sprechen eine klare Sprache
Die Daten der Fed-eigenen 'Survey of Household Economics and Decisionmaking' (SHED) aus dem Jahr 2025 zeigen, dass jeder fünfte amerikanische Erwachsene im Jahr 2024 Opfer von Finanzbetrug oder Betrugsmaschen wurde – das sind 21 Prozent der erwachsenen Bevölkerung.
Während Kreditkartenbetrug am häufigsten vorkam, tragen Verbraucher hier selten die Verluste.
Bei anderen Finanzprodukten wie Bank- oder Anlagekonten gab es jedoch in vielen Fällen keinen automatischen Schutz und keine Garantie auf Wiederherstellung der Gelder.
Der Gesamtverlust durch Nicht-Kreditkartenbetrug belief sich 2024 auf 84 Milliarden Dollar, wovon nur 21 Milliarden Dollar zurückgewonnen wurden.
Dies führte zu einem geschätzten Nettoverlust von 63 Milliarden Dollar für individuelle Verbraucher.
Der durchschnittliche Medianverlust pro Opfer lag bei 500 Dollar vor jeglicher Rückerstattung.
Angesichts der Tatsache, dass 13 Prozent der Amerikaner keine 400 Dollar für Notfälle in bar zur Verfügung haben, können Betrugsverluste schnell zu einer Krise eskalieren.
Die Daten zeigen, dass Betrug alle demografischen Gruppen betrifft, obwohl ältere Erwachsene tendenziell höhere Beträge verlieren.
Gemeinsam gegen die organisierte Kriminalität
Bowmans Forderung nach einem koordinierten Vorgehen ist angesichts der Komplexität und des Ausmaßes des Verbraucherbetrugs überfällig.
Die Betonung einer gemeinsamen Sprache und Datenbasis ist ein pragmatischer Schritt, um die fragmentierten Abwehrmaßnahmen zu bündeln.
Ohne eine sektorübergreifende Strategie bleiben die Bemühungen einzelner Akteure ein Tropfen auf den heißen Stein.