Finanzierungsengpässe: Geldpolitik wirkt asymmetrisch auf Firmen
Eine neue Studie der Federal Reserve zeigt: Wenn Firmen mehreren Finanzierungsengpässen gleichzeitig gegenüberstehen, wirkt Geldpolitik asymmetrisch. Straffungen dämpfen Investitionen doppelt so stark, wie Lockerungen sie fördern.
Engpässe verzerren Geldpolitik
Die Studie untersucht den Kreditkanal der Geldpolitik, wenn Unternehmen mehreren Finanzierungsbeschränkungen gleichzeitig unterliegen – wie Sicherheitenanforderungen, Verschuldungsgrenzen oder gewinnbasierten Covenants.
Standardmodelle gehen oft nur von einer Beschränkung aus.
Die Autoren zeigen, dass diese Vielfalt die Transmission der Geldpolitik grundlegend verändert und eine starke Asymmetrie zwischen den Effekten von Straffungen und Lockerungen erzeugt.
Bei einer geldpolitischen Straffung wird die am stärksten reagierende Beschränkung bindend und schränkt die Kreditaufnahme und Investitionen der Firmen stark ein.
Bei einer Lockerung bleibt hingegen die am wenigsten reagierende Beschränkung bindend, was die Investitionsausweitung begrenzt.
Dies erklärt, warum Straffungen die Wirtschaft stärker dämpfen, als Lockerungen sie stimulieren.
Bilanzregeln als Testfall
Empirische Daten von US-Firmen stützen diese Vorhersagen.
Ein Großteil der börsennotierten US-Unternehmen ist jederzeit mit mehreren engen Finanzierungsauflagen konfrontiert.
Firmen mit Mehrfachbeschränkungen zeigen eine ausgeprägte Asymmetrie: Sie reduzieren externe Kreditaufnahme und Investitionen nach geldpolitischen Straffungen deutlich, reagieren aber kaum auf Lockerungen.
Ein Quasi-Experiment im Jahr 2019, als eine neue US-Bilanzierungsregel (ASC 842) operative Leasingverträge als Verbindlichkeiten auswies, bestätigte die kausale Rolle multipler Beschränkungen.
Firmen, die stärker von dieser Änderung betroffen waren, reagierten danach asymmetrischer auf Geldpolitik.
Lockerungen am Limit
Die Studie zeigt, dass multiple Finanzierungsbeschränkungen die geldpolitische Transmission asymmetrisch machen.
Straffungen wirken stark, da die engste Beschränkung dominiert, während Lockerungen schwach sind, weil immer eine Beschränkung bindend bleibt.
Dies impliziert, dass in stark eingeschränkten Volkswirtschaften geldpolitische Lockerungen nur begrenzte Wirkung auf Investitionen haben.