Langsames Lernen: Selbst-erfüllende Erwartungen bremsen Konvergenz
Drei Ökonomen der Federal Reserve zeigen in einer neuen Studie, dass das Lernen in Wirtschaftsmodellen extrem langsam ist, wenn Überzeugungen selbst-erfüllend sind. Die Ergebnisse legen nahe, dass Analysen auf Basis rationaler Erwartungen irreführend sein können.
Wenn Erwartungen sich selbst erfüllen
Die Studie hinterfragt die Annahme, dass Rational-Erwartungen-Gleichgewichte (REE) das Ergebnis von Lernprozessen sind.
Sie argumentiert, dass 'langsames' Lernen in einer dynamischen Welt praktisch keine Konvergenz bedeutet.
Die Autoren charakterisieren die Konvergenzgeschwindigkeit in Modellen, in denen Akteure ihre Überzeugungen über zukünftige Wirtschaftsergebnisse bilden und diese mit neuen Daten aktualisieren.
Ihr zentrales Ergebnis: Lernen ist langsamer, wenn die Überzeugungen der Menschen über Modellergebnisse stärker selbst-erfüllend sind.
Ein Skalarparameter 'b' bestimmt die asymptotische Konvergenzgeschwindigkeit zu einem REE.
In empirisch plausiblen neuen-Keynesianischen Modellen kann die Konvergenz extrem langsam sein: Jahrzehnte für Modelle mit Lohn- und Preisstarrheiten, Jahrhunderte für DSGE-Modelle und sogar Jahrtausende, wenn die Nullzinsgrenze (ZLB) bindend ist.
Dies legt nahe, dass Analysen auf Basis rationaler Erwartungen irreführend sein können.
Politische Implikationen und Robustheit
Die Studie untersucht die Robustheit ihrer Schlussfolgerungen.
Die Ergebnisse gelten für empirisch plausible DSGE-Modelle und sind robust gegenüber unterschiedlichen Modellierungen nominaler Starrheiten, der Bindung der Nullzinsgrenze (ZLB) und verschiedenen Lernmodellen.
Die Autoren analysieren zudem die Auswirkungen des Lernens auf die Wirksamkeit von Fiskal- und Geldpolitik.
Der Multiplikator von Staatsausgaben ist unter Lernannahmen deutlich kleiner als unter rationalen Erwartungen, insbesondere wenn die ZLB bindend ist.
Dies liegt daran, dass die erwartete Inflation nur teilweise rückwärtsgerichtet ist und sich kaum ändert.
Auch Forward Guidance ist unter Lernannahmen weniger wirksam.
Die Autoren schlussfolgern, dass eine REE-basierte Analyse der Geld- und Fiskalpolitik sehr irreführend sein kann.
Quelle: FEDS Paper: Slow Learning
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