LCR-Puffer stützen Kreditvergabe in Krisen – nicht LCR-Niveau
Eine neue Studie der Federal Reserve zeigt: Banken mit höheren Liquiditätspuffern über dem regulatorischen Minimum vergaben in der COVID-19-Krise signifikant mehr Kredite. Entscheidend waren die Puffer, nicht das gesamte LCR-Niveau.
Das Paradox des letzten Taxis
Eine aktuelle Studie der Federal Reserve untersucht die Rolle regulatorischer Liquiditätspuffer (LCR) bei der Kreditvergabe von Banken an Unternehmen in Stressphasen.
Die Forscher nutzten vertrauliche Kreditdaten von Banken und Firmen sowie offengelegte LCR-Informationen während der COVID-19-Pandemie.
Sie fanden heraus, dass Banken, die über höhere LCR-Puffer oberhalb des regulatorischen Minimums verfügten, im März 2020 signifikant mehr Kredite an Unternehmen mit großen, nicht in Anspruch genommenen Kreditlinien vergaben.
Entscheidend war dabei nicht das absolute LCR-Niveau, sondern ausschließlich die Puffer über dem Minimum.
Dies deutet darauf hin, dass das regulatorische Minimum in Krisenzeiten als bindende Grenze fungiert, die Banken ungern unterschreiten.
Der Effekt konzentrierte sich auf hochwertige Kreditnehmer und war temporär, was bestätigt, dass LCR-Puffer eine selektive, zeitlich begrenzte Liquiditätsversicherung in akuten Stresssituationen bieten.
Puffer als Versicherung, nicht als Reserve
Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) wurde im Rahmen von Basel III eingeführt, um sicherzustellen, dass große Banken genügend hochqualitative liquide Aktiva (HQLA) halten, um Nettoabflüsse über 30 Tage in einer Stressphase abzudecken.
Ziel ist die Minderung der Auswirkungen von Bank Runs.
Allerdings birgt die Nutzung dieser Puffer für Banken starke Anreize, sie nicht anzutasten, da ein Unterschreiten des Minimums als Schwäche am Markt interpretiert werden könnte.
Dies führt zum sogenannten 'Last-Taxi-Problem': Liquidität ist zwar vorhanden, wird aber nicht zur Unterstützung der Kreditvergabe eingesetzt.
Die Studie zeigt, dass diese Liquiditätsversicherung nicht einheitlich über alle Kreditgeber verteilt ist, sondern stark von den individuellen Beschränkungen der Banken abhängt.
Puffer nur auf dem Papier?
Die Studie entlarvt eine Schwachstelle in der Liquiditätsregulierung: Puffer, die im Ernstfall nicht genutzt werden, sind nur auf dem Papier wirksam.
Sie unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Gestaltung von Vorschriften psychologische und verhaltensökonomische Aspekte der Banken zu berücksichtigen.
Für die Finanzstabilität bedeutet dies, dass die reine Höhe der LCR-Puffer weniger zählt als ihre tatsächliche Einsatzbereitschaft in Krisen.