FED-Studie: Aufmerksamkeit verzerrt Inflationserwartungen
Eine neue Studie der Federal Reserve zeigt, dass die Umverteilung der Aufmerksamkeit auf Nachrichten die Inflationserwartungen von Haushalten stark verzerrt. Unvorteilhafte soziale, politische und geopolitische Narrative haben dabei den größten Einfluss auf die Prognosefehler.
Das Paradox der Nachrichtenwahrnehmung
Haushalte weichen in ihren Inflationsprognosen hartnäckig von rationalen Erwartungen ab, selbst wenn sich die öffentlich beobachtbaren Fundamentaldaten kaum ändern.
Die Studie von Sai Ma, basierend auf Mikrodaten der Michigan Survey of Consumers, untersucht, wie die Umverteilung der Aufmerksamkeit innerhalb von Haushalten über verschiedene Nachrichten hinweg die Verzerrung der Inflationserwartungen beeinflusst.
Es zeigt sich eine deutliche Asymmetrie: Eine Verschiebung der Aufmerksamkeit hin zu ungünstigen Wirtschaftsnachrichten erhöht die Prognoseverzerrung erheblich, während eine Abnahme der Aufmerksamkeit für ein ungünstiges Thema kaum Auswirkungen hat.
Die größten Zunahmen der Verzerrung resultieren dabei nicht aus Inflationsnachrichten selbst, sondern aus der Aufmerksamkeit für ungünstige soziale, politische und geopolitische Narrative.
Dies deutet darauf hin, dass breite negative Stimmungen die Inflationsprognosen verzerren, unabhängig davon, ob das Thema direkt Preise betrifft.
Die Studie quantifiziert, dass vergangene und gegenwärtige Nachrichtenaufmerksamkeit bis zu 70 Prozent der beobachteten Prognoseverzerrung erklären, wobei der Anteil der aktuellen Aufmerksamkeit in Rezessionen und bei großen negativen Nachrichtenereignissen stark ansteigt.
Die Ergebnisse sind robust gegenüber einer Reihe von Spezifikationsprüfungen und externen Validierungen.
Aufmerksamkeit als Treiber, nicht nur Stimmung
Die Untersuchung differenziert zwischen dem allgemeinen Nachrichtenumfeld und der tatsächlichen Nachrichtenaufnahme der Haushalte.
Schwankungen in der aggregierten Nachrichtenstimmung haben keinen signifikanten Effekt auf die Prognoseverzerrung, wenn die Aufmerksamkeitsverteilung eines Haushalts unverändert bleibt.
Dies legt nahe, dass die Umverteilung der Aufmerksamkeit – und nicht das umgebende Nachrichtenumfeld allein – die Verzerrung antreibt.
Die Forscher finden, dass die Zusammensetzung der Nachrichten im Aufmerksamkeitsset, nicht deren Volumen, die Prognoseverzerrung bestimmt.
Selbst wenn die Gesamtzahl der wahrgenommenen Nachrichten konstant bleibt, führen Verschiebungen in der Themenauswahl zu signifikanten Effekten.
Die Studie konstruiert zudem ein monatliches Aufmerksamkeitsnetzwerk, das zeigt, wie sich diese Effekte auf aggregierter Ebene verstärken.
Wenn das Netzwerk von einem ungünstigen 'Focal Hub' dominiert wird, können günstige Narrative die Wirkung ungünstiger Aufmerksamkeit auf die Prognoseverzerrung weniger ausgleichen.
Haushalte, die Themen näher an einem solchen ungünstigen Hub erwähnen, zeigen größere Prognoseverzerrungen.
Diese Erkenntnisse verknüpfen die mikroökonomischen Beobachtungen auf Haushaltsebene mit makroökonomischen Schwankungen der aggregierten Prognoseverzerrung im Zeitverlauf.
Mehr als nur Wirtschaftsnachrichten
Die Studie liefert eine wichtige Nuancierung zur Rolle von Informationen bei der Inflationserwartungsbildung.
Sie unterstreicht, dass Zentralbanken und Kommunikatoren nicht nur auf ökonomische Daten achten müssen, sondern auch auf breitere gesellschaftliche Stimmungen.
Die Erkenntnis, dass nicht-inflationäre, negative Narrative die Inflationserwartungen stärker verzerren können als direkte Preisnachrichten, ist für die Geldpolitik von großer Relevanz.
Dies deutet darauf hin, dass die Kommunikation über Inflation eine breitere Perspektive einnehmen muss, um die Wahrnehmung der Öffentlichkeit effektiv zu beeinflussen.