Verdeckte Verschuldung: Firmen kürzen Investitionen nach Offenlegung
Eine Studie der Federal Reserve dokumentiert zwei Formen verdeckter Verschuldung in Unternehmen: Operating Leases und Intra-Period Borrowing. Die Offenlegung dieser Schulden führte zu einer Reduzierung von Investitionen und F&E-Ausgaben.
Versteckte Schulden, reale Konsequenzen
Eine Studie von Cody Kallen dokumentiert zwei Formen verdeckter Verschuldung in nicht-finanziellen Unternehmen: Operating Leases (vor 2019) und Intra-Period Borrowing.
Letzteres, kurzfristige Schulden, die innerhalb einer Berichtsperiode aufgenommen und zurückgezahlt werden, wurde erstmals in diesem Sektor untersucht.
Etwa 29 Prozent der börsennotierten Firmen nutzten erhebliche Operating Leases, und 12 Prozent zeigten Anzeichen für substanzielle Intra-Period Borrowing.
Solche Unternehmen sind oft kleiner, stärker auf kurzfristige Finanzierung angewiesen und weniger von erfahrenen Marktteilnehmern überwacht.
Sie nutzen verdeckte Schulden, um ein günstigeres Verschuldungsprofil zu präsentieren.
Als Bilanzierungsänderungen im Jahr 2019 Operating Leases offenlegten, kürzten betroffene Firmen ihre Investitionsausgaben um 25 Prozent und ihre F&E-Ausgaben um 14 Prozent.
Sie sahen sich zudem erhöhtem Risiko von Führungswechseln und verstärkter Prüfung gegenüber.
Die Offenlegung führte auch dazu, dass diese Firmen ihr Intra-Period Borrowing reduzierten und ihre ausgewiesene Nicht-Lease-Verschuldung erhöhten.
Das Spiel mit der Bilanz
Unternehmen nutzen verdeckte Verschuldung, um ihre ausgewiesene Bilanz zu schönen, die Kreditaufnahmekapazität zu erweitern oder Zinskosten zu senken.
Weitere Motive sind die Verzerrung von Risikomaßen und die Vermeidung von Kreditauflagen.
Die Studie betont, dass verdeckte Schulden besonders dazu dienen, weniger informierte Marktteilnehmer zu täuschen.
Während erfahrene Kreditgeber und Ratingagenturen solche Schulden oft berücksichtigen, verlassen sich andere Investoren auf die ausgewiesenen Kennzahlen.
Dies erklärt, warum verdeckte Verschuldung häufiger bei Firmen mit schwächerer Überwachung, etwa geringer institutioneller Beteiligung oder fehlendem S&P-Rating, auftritt.
Das Phänomen ist seit langem bekannt, hat aber neue Formen angenommen.
Transparenz mit Nebenwirkungen
Die Studie zeigt eindrücklich, dass das Problem der verdeckten Verschuldung trotz regulatorischer Bemühungen fortbesteht.
Die realwirtschaftlichen Auswirkungen auf Investitionen und Unternehmensführung nach der Offenlegung sind bemerkenswert und unterstreichen die Bedeutung von Transparenz.
Für Aufsichtsbehörden und Investoren ist dies ein klares Signal, die Bilanzen genauer zu prüfen und nicht nur auf die ausgewiesenen Zahlen zu vertrauen.