Jefferson: KI und Energie fordern Geldpolitik
Fed-Vize Philip N. Jefferson beleuchtet die Herausforderungen für die Geldpolitik durch unvorhersehbare Wirtschaftsschocks. Er fokussiert auf die Auswirkungen des Energiepreisschocks und der Künstlichen Intelligenz.
Geldpolitik im Schockzustand
Philip N. Jefferson, Vizevorsitzender des Federal Reserve Board, erläutert, wie Notenbanker auf unvorhersehbare Wirtschaftsschocks reagieren.
Ein zentrales Konzept ist die Klassifizierung von Schocks nach ihrer initialen Wirkung auf die Nachfrage- oder Angebotsseite der Wirtschaft.
Nachfrageschocks beeinflussen Konsum und Investitionen, während Angebotsschocks die produktive Kapazität, das sogenannte Potenzialwachstum, verändern.
Beide können temporär oder persistent sein.
Ein wichtiges Analyseinstrument ist die Output-Lücke, die das Verhältnis von tatsächlichem Bruttoinlandsprodukt (BIP) zu potenziellem Output misst.
Eine positive Output-Lücke deutet auf Übernachfrage und Inflationsdruck hin, während eine negative Lücke Überangebot und Arbeitsplatzabbau signalisiert.
Wenn Output-Lücke und Inflation in dieselbe Richtung gehen, sind die geldpolitischen Ziele von maximaler Beschäftigung und Preisstabilität aligned, was eine klare Reaktion ermöglicht.
Das Dilemma des Doppelmandats
Komplizierter wird es, wenn Schocks Output-Lücke und Inflation in entgegengesetzte Richtungen drücken.
Dann entsteht ein Zielkonflikt: Eine Straffung der Geldpolitik bekämpft die Inflation, könnte aber die Beschäftigung beeinträchtigen; eine Lockerung würde umgekehrt wirken.
Die Reaktion hängt von den relativen Kosten der Abweichungen von den Zielen und der Verankerung der Inflationserwartungen ab.
Ist die Inflation hartnäckig, kann eine stärkere Reaktion auf die Preisstabilität erforderlich sein.
Zudem ist die Dauer eines Schocks entscheidend, da geldpolitische Maßnahmen mit Verzögerung wirken.
Mehrere überlappende Schocks, deren Ausbreitung unsicher ist, erschweren die Aufgabe zusätzlich.
Zwei Schocks, eine heikle Balance
Derzeit beobachtet Jefferson zwei prägende Entwicklungen: den Energiepreisschock durch den Nahostkonflikt und die makroökonomischen Effekte der Künstlichen Intelligenz.
Beide Phänomene wirken gleichzeitig auf Angebots- und Nachfrageseite und stellen die Fed vor eine heikle Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung und Sicherung der Beschäftigung.
Die Herausforderung liegt darin, die Risiken für beide Mandatsziele sorgfältig abzuwägen, ohne die Inflationserwartungen zu entankern.