Waller: Anfangsbedingungen entscheidend für Geldpolitik
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Waller: An­fangs­be­din­gun­gen entscheidend für Geldpolitik

Christopher J. Waller, Mitglied des Federal Reserve Board, hob in einer Rede die entscheidende Rolle von Anfangsbedingungen und flexibler Forward Guidance für die Geldpolitik hervor. Er sprach auf einer Konferenz der Banca d'Italia in Rom.

An­fangs­be­din­gun­gen als Kompass

Christopher J. Waller betonte die entscheidende Rolle von "Anfangsbedingungen" – dem aktuellen Zustand der Wirtschaft – für geldpolitische Entscheidungen.

Er verwies auf die US-Inflation nach der Pandemie: Entgegen vieler Prognosen, die einen starken Anstieg der Arbeitslosigkeit erwarteten, führte die Straffung der Geldpolitik nur zu einem moderaten Anstieg.

Dies sei den ungewöhnlichen Anfangsbedingungen Anfang 2022 geschuldet, insbesondere dem nie zuvor gesehenen Verhältnis von zwei offenen Stellen pro Arbeitslosem.

Arbeitgeber reduzierten die Arbeitsnachfrage durch den Abbau offener Stellen, nicht durch Entlassungen.

Waller argumentierte, dass große und plötzliche Schocks zu Verhaltensänderungen führen, die die Transmission der Geldpolitik nicht-linear beeinflussen.

Er erinnerte an die Lucas-Kritik und seine These von 2023, dass die ungewöhnliche Geschwindigkeit der FOMC-Straffung zu kürzeren Wirkungsverzögerungen führte.

Die Kunst der vorausschauenden Kommunikation

Waller sieht Forward Guidance als wertvolles Instrument, das die Politikgestaltung erheblich stärken kann, aber auch als "mehr Kunst als Wissenschaft".

Sie kann wirtschaftliche Bedingungen schneller ändern als Zinsanpassungen allein.

Als Beispiel nannte er das Signal des FOMC im September 2021 zur Straffung der Politik.

Obwohl der Leitzins erst im März 2022 geändert wurde, stieg die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen bis Mitte Februar um fast 200 Basispunkte, was die üblichen Wirkungsverzögerungen erheblich verkürzte.

Allerdings kann Forward Guidance die Politikübertragung behindern, wenn sie zu starr ist.

Die FOMC-Guidance vom September 2020, die Zinserhöhungen an spezifische Bedingungen knüpfte, habe die Hände des FOMC 2021 gebunden und Zinserhöhungen unnötig verzögert.

Auch bei divergenten Szenarien sei Forward Guidance weniger nützlich, wie Waller mit einer Ampel-Analogie illustrierte.

Pragmatismus statt Dogma

Wallers Rede ist ein Plädoyer für Pragmatismus und Flexibilität in der Geldpolitik.

Sie unterstreicht, dass die Transmission geldpolitischer Impulse stark von dynamischen Anfangsbedingungen und der Art der Kommunikation abhängt.

Die Erkenntnisse aus der Pandemie-Ära zeigen, dass starre Regeln oder historische Durchschnittswerte die Zentralbanken in ihrer Reaktionsfähigkeit einschränken können.