FSB überarbeitet Praxispapier zu kritischen Versichererfunktionen
FSB Paper Read in English

FSB überarbeitet Praxispapier zu kritischen Ver­si­che­rer­funk­ti­o­nen

Das Finanzstabilitätsforum (FSB) hat ein überarbeitetes Praxispapier zur Identifizierung kritischer Funktionen von Versicherern veröffentlicht. Es beschreibt Ansätze aus Australien, China, Frankreich und den Niederlanden zur Unterstützung der Abwicklungsplanung.

Ab­wick­lungs­pla­nung: Der erste Schritt

Die Identifizierung kritischer Funktionen ist ein zentraler Bestandteil der Abwicklungsplanung für Versicherer und dient als erster Schritt zur Entwicklung geeigneter Strategien.

Das Praxispapier des Finanzstabilitätsforums (FSB) beleuchtet die Ansätze von vier Mitgliedsländern – Australien, China, Frankreich und den Niederlanden – bei der Bestimmung dieser Funktionen.

Diese Jurisdiktionen haben ihre Rahmenwerke erheblich weiterentwickelt und erste praktische Erfahrungen gesammelt.

Die Fallstudien zeigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Hintergrund, Umfang, Methodik und Überprüfungsprozess auf.

Alle vier Länder wenden die drei Kernelemente der FSB-Leitlinien an: Bewertung der Auswirkungen auf Finanzstabilität und Realwirtschaft, Substituierbarkeit sowie eine versichererspezifische Analyse.

Die Reihenfolge und der Kontext dieser Schritte variieren jedoch erheblich.

In China etwa erstellen Versicherer eine Selbsteinschätzung, die von Behörden validiert wird.

Frankreich identifiziert von Natur aus kritische Funktionen und dann die bedeutendsten Versicherer dafür.

Die Fallstudien zeigen, dass kritische Funktionen hauptsächlich Versicherungszahlungen betreffen, die für die finanzielle Sicherheit von Einzelpersonen oder die Wirtschaftstätigkeit unerlässlich sind.

Die Behörden nutzen eine breite Auslegung der Definition, die die wirtschaftliche und soziale Rolle von Versicherern berücksichtigt.

Drei Elemente, drei Schritte: Die FSB-Methodik

Die FSB-Leitlinien definieren eine kritische Funktion eines Versicherers anhand von drei Elementen: Die Funktion muss von einem Versicherer an nicht-verbundene Dritte erbracht werden.

Ein plötzlicher Ausfall muss erhebliche Auswirkungen auf das Finanzsystem und/oder die Realwirtschaft haben.

Zudem darf die Funktion nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums und zu vertretbaren Kosten ersetzt werden können.

Zur Unterstützung dieser Definition hat die FSB eine dreistufige Bewertungsmethodik entwickelt: eine Folgenabschätzung des plötzlichen Funktionsausfalls, eine Substituierbarkeitsbewertung durch Marktanalyse und einen firmenspezifischen Test der Auswirkungen eines Ausfalls der kontinuierlichen Leistung durch einen bestimmten Versicherer.

Diese Schritte müssen nicht zwingend in dieser Reihenfolge durchgeführt werden.

Die Methodik wird durch detaillierte Überlegungen in früheren FSB-Dokumenten wie dem 'Resolution Planning Guidance' und dem 'Consultative Document' ergänzt.

Wissenstransfer für die Aufsicht

Das überarbeitete Praxispapier bietet Aufsichtsbehörden weltweit wertvolle Einblicke in die Umsetzung kritischer Versichererfunktionen.

Es beleuchtet, wie Jurisdiktionen die FSB-Leitlinien anwenden und dabei gemeinsame Prinzipien sowie länderspezifische Besonderheiten berücksichtigen.

Dieser Wissenstransfer ist entscheidend, um die globale Finanzstabilität im Versicherungssektor zu stärken und die Abwicklungsplanung zu harmonisieren.